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entsprechenden Produktionsverhältnisse einnimmt, so ist es klar,
daß nur bei dem beschränkten Gesichtskreis, der allen Rich-
tungen des bourgeoisen theoretischen Denkens eigen ist, man bei
den Marktbeziehungen stehen bleiben oder den vorhandenen
„‚Gütervorrat‘“ zur Basis der Betrachtungen machen kann. Weder
diejenigen, die sich auf die Analyse der sich auf dem Markte be-
wegenden ‚„richesses venales‘“‘ beschränken, noch die, welche ihr
Augenmerk auf das Verhältnis zwischen dem im voraus gegebe-
nen Konsumtionsding, dem „Gute‘“, und dem wirtschaftenden
Individuum richten, können die funktionelle Rolle des Tausches
begreifen, als einer notwendigen gesetzmäßigen Erscheinung, die
einer Gesellschaft von Warenerzeugern immanent zukommt. Und
doch ist es klar, wie die richtige Problemstellung sein muß:
„In dem Vollzug aller in dieser (d. h. der Waren produzieren-
den. N. B.) Gesellschaft möglichen Tauschakte muß sich das
durchsetzen, was in einer kommunistischen, bewußt geregelten
Gesellschaft mit Bewußtsein durch das gesellschaftliche Zentral-
organ bestimmt wird: Was und wieviel produziert wird, wo und
von wem produziert wird. Kurz, der Austausch muß den Waren-
produzenten dasselbe mitteilen, was den Mitgliedern der sozia-
listischen Gesellschaft ihre Behörden, die mit Bewußtsein die
Produktion regeln, die Arbeitsordnung bestimmen usw. Die
Aufgabe der theoretischen Oekonomie ist es, das Gesetz des so
bestimmten Austausches zu finden. Aus diesem Gesetz muß eben-
so die Regelung der Produktion in den warenproduzierenden Ge-
sellschaften hervorgehen, wie aus den Gesetzen, Verordnungen
und Vorschriften sozialistischer Behörden der ungestörte Ablauf
sozialistischer Wirtschaft. Nur daß dieses Gesetz nicht direkt mit
Bewußtsein menschliches Verhalten in der Produktion vor-
schreibt, sondern nach Art eines Naturgesetzes wirkt mit ‚so-
zialer Naturnotwendigkeit“‘*.“
Mit anderen Worten: Als Untersuchungsobjekt ist uns eine
anarchisch aufgebaute Gesellschaft von Warenproduzenten ge-
geben, die sich entwickelt und wächst, d. h. es ist ein bestimmtes
subjektives System gegeben, das unter den Bedingungen des
dynamischen Gleichgewichts steht. Es fragt sich, wie dieses
Gleichgewichtunter diesen Bedingungen mög-
lich ist. Eine Antwort darauf gibt die Arbeitswerttheorie.
Die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ist nur beim
Wachstum ihrer Produktivkräfte möglich, d. h. der Produktivität
1 R. Hilferding: „Das Finanzkapital“, S. 2 u. 3.
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