176 Schluß
er immer mehr der Bourgeoisie verhaßt. Die gesellschaftliche Zu-
sammenarbeit auf dem Gebiete der Sozialwissenschaften — und
ganz besonders in der Theorie der Oekonomie — ist keineswegs
gestiegen; im Gegenteil, es macht sich eine immer schärfere Diffe-
renzierung bemerkbar. Die bürgerliche Oekonomie kann gegen-
wärtig nur insoweit fortschreiten, als sie den Rahmen einer rein
beschreibenden Wissenschaft nicht verläßt. Hierin vermag sie zu
verrichten und verrichtet auch eine gesellschaftlich nützliche Ar-
beit. Natürlich darf man nicht alles, was auf diesem Gebiete ge-
leistet wurde, auf guten Glauben annehmen. Denn jede, sogar die
„reinste‘“‘ Beschreibung, geschieht von einem gewissen Stand-
punkt aus: Die Wahl des Materials, das Hervorheben des einen
und. das ungenügende Beachten des anderen Momentes usw., all
dies wird von den sogenannten „allgemeinen Ansichten“ der be-
treffenden Autoren bestimmt. Dennoch ist es bei einer kritischen
Stellung möglich, aus diesen Arbeiten reiches Material zu ge-
winnen, um Folgerungen zu machen. Was dagegen die eigent-
liche Theorie anbelangt, so sahen wir am Beispiele Böhm-Ba-
werks, daß sie eine Wüste ist. Folgt nun aber daraus, daß die
Marxisten dieses Gebiet durchaus unbeachtet lassen sollen?
Keineswegs. Denn der Entwicklungsprozeß der proletarischen
Ideologie ist ein Kampf prozeß. Ebenso wie auf dem ökono-
mischen und politischen Gebiete das Proletariat in ununter-
brochenem Kampfe gegen die ihm feindlichen Elemente vorwärts
schreitet, ebenso verhält es sich auch auf den höheren Stufen der
Ideologie. Diese letztere fällt nicht vom Himmel als ein in allen
seinen Teilen fertiges System, sondern wird in schwerem, qual-
vollem Entwicklungsprozeß gewonnen. Durch Kritik der feind-
lichen Ansichten wehren wir nicht nur direkt die feindlichen
Ueberfälle ab, sondern schärfen auch unsere eigenen Waffen:
Das gegnerische System kritisieren, heißt vor allem sein eigenes
durchdenken. Auch aus einem anderen Grunde ist es not-
wendig, die bürgerliche Oekonomie aufmerksam zu studieren.
Für den ideologischen Kampf gilt dieselbe Regel wie für jeden
direkten praktischen Kampf: Man muß alle Gegensätze der
Feinde, alle Unstimmigkeiten zwischen ihnen ausnutzen. Die
Sache liegt nämlich so, daß trotz der Einheit des Zieles — der
Apologie des Kapitalismus — unter den bourgeoisen Gelehrten
bis auf den heutigen Tag eine große Verschiedenheit in den An-
sichten besteht. Während auf dem Gebiete der Werttheorie eine
gewisse Einheit auf den von der österreichischen Schule ge-
schaffenen Grundlagen erreicht wurde, stellt hinsichtlich der
Distriiution fast jeder Theoretiker seine eigene Theorie auf und