I Anhang
ziemlich kläglich aus; doch wir wollen zunächst uns der Einwände
gegen Tugan enthalten und zu seiner „einigenden Plattform“ über-
gehen.
Nach der Lehre der Anhänger der österreichischen Schule wird
der Wert eines Gutes durch dessen Grenznutzen bestimmt. Dieser
ist wiederum von der Gütermenge derselben Gattung ab-
hängig. Je größer die Menge, desto „gesättigter‘“ ist die Nach-
frage, desto geringere Dringlichkeit besitzt das Bedürfnis und
desto mehr sinkt der Grenznutzen des betreffenden Gutes. Also,
die österreichische Schule schließt ihre Analyse ab, indem sie eine
bestimmte Masse, eine bestimmte Menge der zu wertschätzenden
Güter als gegeben voraussetzt. Tugan-Baranowsky stellt durchaus
folgerichtig die weitere Frage: wodurch wird nun diese Güter-
menge selbst bestimmt? Nach der Ansicht von Tugan-Bara-
nowsky hängt die Gütermenge vom ‚‚Wirtschaftplan“‘‘ ab, d. i. von
der Verteilung der menschlichen Arbeitskraft auf die verschie-
denen Produktionszweige. In der Aufstellung des ‚„Wirtschafts-
planes‘“ spielt aber der Arbeitswert die entscheidende Rolle.
„Der Grenznutzen ist der Nutzen der letzten Einheiten einer
jeden Gütergattung — sagt Tugan —, er verändert sich im Zu-
sammenhang mit dem Umfang der Produktion. Durch Erweite-
rung oder Verminderung der Produktion können wir entsprechend
den Grenznutzen erweitern oder vermindern. Umgekehrt ist der
Arbeitswert einer Gütereinheit etwas objektiv gegebenes, von un-
serem Willen unabhängiges. Daraus folgt, daß bei der Aufstellung
des Wirtschaftsplanes der Arbeitswert das bestimmende, der
Grenznutzen dagegen das zu bestimmende Moment ist. Mathema-
tisch gesprochen wird es bedeuten, daß der Grenznutzen die Funk-
tion des Arbeitswertes sein muß®.‘“
Welches ist nun das Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem
Grenznutzen der Güter und deren Arbeitswert? Tugan-Bara-
nowsky stellt folgende Ueberlegung an. Angenommen, wir haben
zwei Produktionszweige A und B. Ein rationeller Wirtschaftsplan
würde erfordern, daß die Arbeitsteilung auf diese beiden Produk-
tionszweige so entfällt, daß der sich im Arbeitsprozeß während
der letzten Zeiteinheit ergebende Nutzen in beiden Fällen gleich
ist‘. Ohne ein derartiges Gleichgewicht ist ein rationeller Plan,
d. i. die Erreichung des höchsten Nutzens, undenkbar, denn ange-
nommen, daß die letzte Stunde in der Produktion A einen Nutzen
von 10 Einheiten abwirft, in der Produktion B aber von nur 5 Ein-
heiten, so ist es klar, daß es vorteilhafter ist, von der Produktion
Hein 47.
* Genauer gesprochen, er muß an der Grenze gleich sein.
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