Nutzen und Wert (subjektiver) 3
deren Schätzung es sich gerade handelt, schon
nicht mehr ausreichen würde*.“
Also der „qualifizierte Nutzen‘‘ der Güter wird zum Aus-
gangspunkt für die Analyse der Warenpreise gemacht — dient
doch jede Werttheorie vor allem zur Erklärung der Preise —
d. h. also zum Ausgangspunkt wird gemacht gerade das, was
16 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.‘“, S. 13. „Alle Güter haben Nützlich-
keit, aber nicht alle Güter haben Wert. Damit Wert entstehe, muß sich zur
Nützlichkeit auch Seltenheit gesellen, nicht absolute, sondern relative
Seltenheit im Vergleich zum Bedarf nach Gütern der betreffenden Art.‘ Böhm-
Bawerk: „Kapital und Kapitalzins‘, II. Positive Theorie des Kapitals, 3. Aufl.,
Innsbruck 1912, S. 224. Aehnlich auch Menger: „Ist nämlich der Bedarf an
einem Gute größer als die verfügbare Qualität desselben, so steht zugleich
fest, daß, nachdem ein Teil der bezüglichen Bedürfnisse ohnehin wird un-
befriedigt bleiben müssen, die verfügbare Quantität des in Rede stehenden
Gutes um keine irgendwie praktisch beachtenswerte Teilquantität verringert
werden kann, ohne daß hierdurch irgendein Bedürfnis, für welches bis dahin
vorgesorgt war, nicht, oder doch nur minder vollständig befriedigt werden
könnte, als dies ohne den Eintritt der obigen Eventualität der Fall sein
würde.‘ K. Menger: „Grundsätze“, S. 77.
Die Urheber der Grenznutzentheorie sind keinesfalls berechtigt, zu be-
haupten, daß diese These von ihnen stammt.. Wir finden sie bereits beim
Grafen Verri (Vgl. Comte de Verri: „Economie politique etc. Paris‘, An. VIII)
freilich in einer objektivierten Form: „Quels sont donc les €lements qui
constituent le prix? Il n’est certainement point base sur la seule utilite. Pour
nous en convaincre, il suffit de reflechir que Vleau, V’air, et la lumiere du
soleil n’ont aucun prix, et cependent y a-t-il rien de plus utile et de plus
n6ecessaire? ... donc 1’utilite simple et pure d’une choose ne
suffit/pas pour duiben donner.“ Neanmoins/ la seule
rarete luien donne“ (14).
„Deux principes reunis constituent le prix des choses: le besoin et
Jararete (15).
Aehnlich auch bei Condillac: „Le Commerce et le gouvernement etc.‘“,
Paris, An. III, 1795, B. I. Doch formuliert Condillac die Frage subjektiv
(„nous estimons“, „nous jugeons‘; cette estime est ce que „nous appelons
valeur‘“ ete.).
„La valeur des choses croit donc dans la rarete et diminue dans l’abon-
dance. Elle peut, meme dans l’abondance diminuer au point de devenir
nulle* (pp. 6, 7).
Bei Walras dem Aelteren (M. Auguste Walras: „De la nature de la richesse
et de Vorigine de la valeur‘, Paris 1831) hängt das Element der Seltenheit
mit dem des Eigentums zusammen, was wiederum in Abhängigkeit gebracht
ist von der Tauschfähigkeit und dem Werte (objektiven) des Gebrauchsgegen-
standes, (Sie „sont naturalement bornes dans leur quantite“.) Leon Walras
gibt in seinem „Principe d’une theorie mathematique de l’echange‘ eine scharfe
Formulierung: „Ce n’est donc pas Vutilite d’une chose qui en fait la valeur,
C’est la rarete.“ (Siehe S. 44, 199 u. ff.) Vilfredo Pareto. .(Gours
d’Econ. politique, tome 1, Laus. 1896) wendet statt utilite „den Terminus”
ophelimite (vom griechischen Wort %Am&lıuwoc = nützlich, helfend) an, denn
der „Nutzen“ steht im Gegensatz zum ‚„Schaden‘‘, die politische Oekonomie
kennt aber auch „schädlichen Nutzen“ (Tabak, Alkohol usw.).