Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Nutzen und Wert (subjektiver) 75 
tungen der in der Wirtschaft selbst konsumierten Produkte sind 
ohne Einfluß auf das Zustandekommen der Warenpreise. Inso- 
fern aber das Produkt zur Ware wird, hört der Gebrauchswert 
auf, seine frühere Rolle zu spielen“. „Daß diese Ware für an- 
dere nützlich, ist Voraussetzung für ihre Austauschbarkeit; aber 
als für mich nutzlos, ist der Gebrauchswert meiner Ware kein 
Maßstab auch nur meiner individuellen Wertschätzung, ge- 
schweige für eine objektive Wertgröße**.““ 
Andererseits erstreckt sich bei genügend entwickelten Tausch- 
verhältnissen die Wertschätzung der Produkte nach ihrem 
Tausch wert sogar auf denjenigen Teil derselben, der zum 
eigenen Bedarf des Produzenten gehört. Wie W. Lezxis sehr rich- 
tig hervorhebt, werden überhaupt „in dem geldwirtschaftlichen 
Tauschsystem alle Güter als Waren angesehen und verrechnet, 
auch wenn sie für den eigenen Bedarf bestimmt sind**.‘““ 
Doch nur bei der Massenproduktion für den Markt, bei der 
die gesamten Produkte in den Zirkulationsprozeß hineinge- 
zogen werden, wird es besonders klar, wie sehr der Gebrauchs- 
wert von seiner früheren Bedeutung eingebüßt hat, da hier die 
subjektive Wertschätzung nach dem Nutzen ganz augenschein- 
lich verschwindet in bezug auf das gesamte in der jeweiligen 
Wirtschaft hergestellte Produkt. 
Daraus erklärt sich das Bestreben Böhm-Bawerks, die mo- 
derne Ssozialwirtschaftliche Organisation als eine unent- 
Wwickelte Warenproduktion darzustellen; ‚... unter der Herr- 
schaft der arbeitsteiligen Produktion (erfolgen) die geschäftlichen 
Verkäufe zumeist aus einem VUeberflusse**“; bei der modernen 
Organisation der Arbeit produziert „jeder Produzent nur einige 
Artikel, diese aber weit über seinen persönlichen Bedarf?®.“ 
So stellt Böhm-Bawerk die kapitalistische „Volkswirtschaft“ 
dar. Eine derartige Darstellung kann freilich keiner Kritik stand- 
halten; doch taucht sie immer wieder bei den Autoren auf, die 
die Werttheorie auf der Grundlage des Nutzens aufstellen. Von 
Böhm-Bawerk gilt deshalb wörtlich genau das, was Marx über 
Condillac sagte: „Man sieht, wie Condillac nicht nur Gebrauchs- 
wert und Tauschwert durcheinanderwirft, sondern wahrhaft 
kindlich einer Gesellschaft mit entwickelter Warenproduktion 
2%... andererseits aber ist es gerade die Abstraktion von ihren Gebrauchs- 
werten, was das Austauschverhältnis der Waren augenscheinlich charakteri- 
siert.“ Karl. Marx: „Kapital‘, Bqd..1, S. 3. 
” R. Hilferding: „Böhm-Bawerks Marx-Kritik“, S. 5. 
23 W, Lexis: „Allgemeine Volkswirtschaftslehre‘“, 1910, S. 8. 
?4 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 35. 
2. Ib. 8. 491:
	        
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