Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

8 Die Werttheorie 
als Einheit ein größeres Maß als das 10-Hektoliter-Maß nehmen, 
so wird das Wasser einen Wert erhalten. Auf diese Weise hängt 
der Wert schon an und für sich von der Wahl der Einheit ab. 
Im Zusammenhang damit steht auch eine andere Erscheinung. 
Angenommen, wir sind im Besitz einer Reihe von Gütern, deren 
Grenznutzen mit der Vergrößerung ihrer Zahl sinkt. Nehmen 
wir an, daß der sinkende Wert durch folgende Zahlenreihe aus- 
gedrückt wird: 6, 5, 4, 3, 2, 1. Wenn wir 6 Einheiten eines ge- 
gebenen Gutes besitzen, so wird der Wert jedes einzelnen von 
ihnen durch den Grenznutzen eben dieser Einheit bestimmt, d. h. 
er wird eben gleich 1 sein. Nehmen wir als Einheit die Verbin- 
dung zweier früheren Einheiten, so wird der Grundnutzen dieser 
2 Einheiten nicht 1X2, sondern 1+-2, d. h. nicht 2, sondern 3 
sein; und der Wert von 3 Einheiten nicht mehr 13, sondern 
1+2+-3, d. h. nicht 3, sondern 6 usw. Mit anderen Worten, 
der Wert einer größeren Anzahl von Gütern befindet sich nicht 
im Verhältnis zum Werte eines einzelnen Exemplars dieser 
materiellen Güter®®. So spielt die Maßeinheit ‚eine wesentliche 
Rolle. Welches ist aber die Maßeinheit? Auf diese Frage kann 
Böhm-Bawerk (auch die anderen Oesterreicher) keine bestimmte 
Antwort geben‘. Böhm-Bawerk beantwortet diese Frage fol- 
35 Ib. S. 52. Wieser ist in diesem. Punkte mit Böhm-Bawerk nicht einver- 
standen. „Ein. Vorrat überhaupt hat einen Wert, der gleichkommt dem Pro- 
dukte der Stückanzahl (oder der Anzahl von Teilmengen) mit dem jeweiligen 
Grenznutzen.‘“ („Der natürliche Wert‘, S. 24.) Das Schema Wieser ist: An- 
genommen, der höchste Grenznutzen eines Gutes ist gleich 10; durch Erhöhung 
der Zahl der Güter bis 11 erhalten wir den Wert des. Vorrates, und zwar bei 
einem Besitz von 
1 2 3 4 5 Gütern 
gleich 1X10 29, 11828 147 5X6 
oder 10 18 24 28 30 Weıteinheiten 
und bei 6 7 8 9 10 11 Gütern 
gleich 6X5 7X4 83 9X2 10X1 11X0 
oder 30 28 24 18 10 0  Werteinheiten 
(Ibidem 27) 
Von diesem Standpunkt aus hat der Vorrat keinen Wert, wenn er eine 
bestimmte Menge von Gütern erreicht hat. Indes das widerspricht der Theorie 
und der Definition des subjektiven Wertes. In der Tat, wenn wir die ganze 
Summe der Güter als eine Einheit betrachten, so sind wir. nicht mehr im- 
stande, die mit diesem Gute zusammenhängenden Bedürfnisse zu befriedigen. 
Vgl. Böhm-Bawerk: „Grundzüge“, S. 16 ff., sowie „Kapital und Kapitalzins“, 
Bd. II, S. 257 u. 258, Fußnote. 
36 Siehe über die Unbestimmtheit der Maßeinheit bei G. Cassel: „Die 
Produktionskosten-Theorie Ricardos und die ersten Aufgaben der theore- 
tischen Volkswirtschaftslehre‘ (Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft,
	        
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