Die Lehre vom Substitutionsnutzen 9
den der Autor behandelt. Das ist nämlich der Einkauf zum
Zwecke des Wiederverkaufs, bei dem „ein Käufer die Ware gar
nicht nach ihrem Gebrauchswert, sondern nach ihrem (subjek-
tiven (T a usch wert schätzt*®.
In solchen Fällen wickelt sich die Sache nach Böhm-Bawerk
folgendermaßen ab: „Der Marktpreis wird zunächst beeinflußt
durch die (Tausch) Wertschätzung des Händlers;
diese basiert auf dem vermuteten Marktpreis eines
zweiten Marktes und dieser wieder unter anderem (!!) auf
den Wertschätzungen der Kauflustigen dieses
zweiten Marktgebietes*!‘“ Hier ist der Tatbestand noch
verwickelter. Böhm behauptet, daß der Käufer den Gebrauchs-
gegenstand nach Maßgabe derjenigen Geldsumme abschätzt, die
man „beim Wiederverkauf auf einem anderen Markt (nach Ab-
zug der allfälligen Transport- und Handelsspesen) dafür zu lösen
hofft‘; diese Geldsumme zerlegt er in die Wertschätzungen der
Käufer (Wertschätzungen nach Nutzen) des zweiten Marktes.
Doch ist die Sache bei weitem nicht so einfach. Der Händler
bemüht sich, den höchstmöglichen Handelsgewinn herauszu-
schlagen, dessen Höhe von einer Reihe Bedingungen abhängt.
Auf einige derselben weist Böhm-Bawerk selbst hin: Transport-
kosten und Handelsspesen. Was bedeutet dies? Doch nichts
anderes als die Einführung neuer Reihen (die dazu noch ver-
schieden zusammengesetzt sind) von Handelspreisen, als
einer Größe, die keiner Erklärung bedarf. In Wirklichkeit müßte
aber jeder Bestandteil dieser Kosten erklärt werden. Ferner glaubt
Böhm-Bawerk den Endpunkt der Erklärung mit den Wertschät-
zungen der Käufer des zweiten Marktes erreicht zu haben. Das
ist aber nichts anderes als eine Selbsttäuschung. Denn diese
Wertschätzungen lassen sich ihrerseits noch weiter zerlegen. Sie
werden ja doch nicht nach reinem „Nutzen“ getroffen, denn
einerseits gibt es hier eigene Händler, die die Ware für andere
Märkte wiederverkaufen; andererseits schätzen ja auch die ein-
fachen Käufer die Ware nicht unmittelbar ab, sondern nach
ihrem „Substitutionsnutzen‘“. Die Anwesenheit der Händler ver-
anlaßt uns, mit ihnen nach dem dritten Markt zu wandern, da
aber auch da möglicherweise Händler anwesend sein können, so
müssen wir nach dem vierten, fünften Markt usw. ad infinitum
wandern. Es kommt hinzu, daß hier, wie wir sehen, noch eine
* Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.‘“, S. 519. Der Begriff des subjektiven
Tauschwerts wird uns noch in der weiteren Darstellung begegnen, in der eine
eingehende Kritik dieses Begriffs gegeben wird.
4% 1b. 8. 519.
e
78