Full text : Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien.
Stellen die Arbeiter für die ganze Umgegend lieferte, wodurch
sich die Manufaktur verhältnismäßig rasch auf weitere Strecken
verbreiten konnte. In den meisten Fällen aber waren die geschulten
 Arbeiter die Lehrmeister der Einheimischen, die
bald selbst die Herstellung des Porzellans erlernten, während
in Argentinien die Ausländer die Masse der Arbeiter nicht
nur in den Zeiten der Neugründungen bildeten, sondern heute
noch bilden und zugleich einen wesentlichen Zuwachs der
Bevölkerung ausmachen, auf den das Land dauernd angewiesen
 bleibt, da die einheimische Bevölkerung für den
steigenden Bedarf an Arbeitern nicht ausreicht. Diese Arbeiter,
 meist Angehörige der romanischen Völker Europas,
kommen mit dem Wenigen, dessen sie in ihrer Anspruchslosigkeit
 bedürfen, versehen nach Argentinien und machen deshalb
 dort außer dem Ankauf von Lebensmitteln wenig Ausgaben;
 ihren Lohn suchen sie möglichst aufzusparen, und
wenn sie. eine gewisse Summe erspart haben, treten sie den
Rückweg nach Europa wieder an, haben also zu dem Verbrauch
 von Industrieartikeln wenig beigetragen, nehmen aber
dafür den größten Teil des auf argentinischem Boden verdienten
 Geldes mit in ihre Heimat. Ein für Argentinien
wirtschaftlich sehr ungünstiger Vorgang, der ebenfalls wieder
beweist, wie weit man dort noch von dem Besitz einer
nationalen Industrie entfernt ist.
Eine Feststellung der in Argentinien beschäftigten ausländischen
 Arbeiter ist sehr schwierig, es genügt indessen
die für die Hauptstadt gemachte Aufstellung vollständig, da
weitaus der größte Teil der Fabriken. in Buenos Aires sich
befindet und aus den dortigen, Angaben das Verhältnis
zwischen Einheimischen und Ausländern deutlich genug hervorgeht.

Im Jahre 1905 waren die Arbeiter wie folgt verteilt
(nach dem Argentine Year Book 1905/06):
Argentiner Ausländer
Männer 13141 23 884
Frauen 5 443 3558
Kinder 377 560
22 335 28.002 zus. 50 357.
Diese Ziffern zeigen, daß der Lohn von mehr als der
Hälfte der Industriearbeiter dem Lande verloren geht. Es
ist also ein. dringendes Erfordernis, durch eine bessere Gestaltung
 der Lebensbedingungen der Arbeiter deren aus-Jändischen
 Teil und besonders das dauernden Aufenthalt in
173
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.