Die Republik Chile.
letzten sechs Jahren großgezogenen Veredelungsindustrie,
die Halbfabrikate aus dem Auslande bezieht und in ihren
Betrieben fertigstellt. Die Leistungsfähigkeit ist aber, wie
schon gezeigt, ziemlich gering, und zu dem Ziele, die Fabrikindustrie
zu einer Quelle des Nationalwohlstandes zu machen,
ist noch ein weiter Weg.
Volkswirtschaftlich ist die Fabrikindustrie in Chile
von ähnlicher Wirkung wie in Argentinien. Da sie den Inlandsbedarf
nicht deckt, aber unter dem Schutz hoher Einfuhrzölle
steht, so verteuert sie durch die Notwendigkeit der
Einfuhr des im Lande nicht erzeugten Restes des Landesbedarfes
die Lebenshaltung der Bevölkerung, die ohne Landesindustrie
bei ausschließlicher Einfuhr ausländischer Waren
ihren Unterhalt billiger bestreiten könnte. Auch hier ist man
in denselben Fehler verfallen wie in Argentinien, daß man
die inländische, meist von ausländischem Kapital betriebene
Industrie durch hohe Zölle schützte, ehe sie imstande war,
den Inlandsmarkt ebenso billig zu versorgen, wie es die ausländische
Industrie durch die Einfuhr ihrer Erzeugnisse zu
tun vermochte. Man darf aber diese fiskalische Maßregel
nicht zu hart verurteilen, denn trotz allem ist das chilenische
Volk bei weitem nicht so stark mit Steuern belastet wie das
argentinische, da in Chile keine inländischen Verbrauchssteuern
bestehen und auch die Einfuhrzölle nicht die Haupteinnahmequelle
des Staates bilden müssen. Diese Rolle
spielen vielmehr die Ausfuhrzölle, die, auf den wirtschaftlich
kräftigsten Schultern ruhend, an erster Stelle der Staatseinnahmen
stehen; nach ihnen kommen die Einfuhrzölle auf
Luxuswaren und Waren, die auch im Lande angefertigt werden
können. Die Zölle brachten‘*):
Ausfuhrzölle:
1903 49 549 014 Pes.
1904 50852 710
1905 24467385 „ "im 1. Halbi.
gegen 213161331 „ im I. Halbj. 1904;
Einfuhrzölle:
1903 28 876 404 Pes,
1904 30336436
1905 14859002 0, im I. Halbi.
gegen 15466409 „ im 1. Halbj. 1904.
1) Bericht des K. u. K. Österr.-Ungar. Gen.-Konsulats in Valparaiso
über das Jahr 1905.
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