Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Geographische Verhältnisse. _ 
voll nutzbar zu machen, noch die schädlichen Wirkungen 
stellt, die das feucht-warme Klima auf den Betrieb der 
Industrie ausüben muß. So hat sich herausgestellt, daß in 
den feuchtwarmen Gegenden es kaum möglich ist, be- 
deutende Störungen in den Gärungsprozessen‘) zu ver- 
hindern, da man z. B. in den Bierbrauereien wegen der in 
großer Zahl in der Luft vorhandenen Sporen wilder Hefe- 
arten und Bakterien die Hefe in Gärbottichen nur schwer 
rein erhalten kann. Aus ähnlichen Gründen ist die An- 
fertigung von Konserven sehr schwierig, da unter der Ein- 
wirkung der feuchten Wärme die Fäulnis so schnell eintritt, 
daß man kam imstande ist, abgepflückte Früchte zu ver- 
arbeiten, ehe sie verderben. Verschiedene chemische Ver- 
fahren, sowie die Holz- und Möbelindustrie leiden besonders 
unter der Wärme und dem Mangel an Trockenheit der Luft, 
ebenso werden hölzerne und eiserne Baumaterialien von der 
Tropenatmosphäre angegriffen. Ferner leidet das Fabrik- 
material?) sehr unter dem Klima, indem die Maschinen bei 
nur kurzem Stillstand stark rosten. Vielfach muß daher 
manches statt aus dem billigeren Eisen oder Stahl aus teurem 
Messing angefertigt werden, um vor zu rascher Zerstörung 
bewahrt zu bleiben. Ein großer Übelstand sind auch die 
massenhaft auftretenden Insekten, die alles auffressen, was 
nicht aus Stein oder Metall gefertigt ist. Endlich spielen 
auch noch die Natur- oder Elementarereignisse eine Rolle, 
von denen die gemäßigte Zone im allgemeinen verschont 
bleibt, wie Orkane, Überschwemmungen, Mißwachs, Dürre. 
Die Schwierigkeit der Urbarmachung des tropischen Wald- 
landes und die Anlegung und Erhaltung von Verkehrswegen 
sind auch in- ihrer hemmenden Einwirkung auf die Ent- 
stehung der Industrie nicht zu unterschätzen. 
Da aber der rastlos schaffende Geist und der Erwerbs- 
sinn des Menschen nicht gewohnt sind, eine in der Natur 
sich bietende Schwierigkeit einfach als eine unabänderliche 
Tatsache hinzunehmen und die von der Mutter Erde bereit- 
willigst angebotenen Schätze ohne weiteres ungenützt preis- 
zu geben, statt sie zum Vorteil der gesamten Menschheit 
und des einzelnen Unternehmers nutzbar zu machen, So 
wurde natürlich nichts unversucht gelassen, um die durch 
klimatische Einflüsse entstehenden Hemmungen auf irgend- 
welche Weise unschädlich zu machen. Nicht umsonst nahm 
1) Preyer:]Überseeische Aktiengesellschaften und Großbetriebe. 
Seite 132. 
2) Schilder: Die Tropen in der Weltwirtschaft. 
13
	        
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