Welche mysteriöse und übermenschliche Kraft vermöch-
te die Unternehmer dazu veranlassen, unaufhörlich die ab-
schute und relative Quantität des Mehrwertes, über den sie
verfügen könnten, zu verkleinern, indem sie eine ständig
zunehmende Quote ihres Gesamtkapitals aus der einzigen
Form, die ihnen einen Mehrwert erzeugt (Lohnkapital), in
diejenige, die unfruchtbar bleibt (technisches Kapital) um-
handeln?
5 3. Die Konkurrenz und die zunehmende Verwendung von
technischem Kapital,
Es wäre sinnlos, sich bei dieser Gelegenheit auf die
Konkurrenz zu berufen und zu behaupten, daß bei dem von
ırr entfesselten Spiel der Kräfte die Unternehmer zu der
angedeuteten Umwandlung gezwungen sind, weil das tech-
nische Kapital, indem es die Produktivität der Arbeit außer-
ordentlich steigert, ihnen erlaubt, billiger zu verkaufen und
daher in jedem die Hoffnung erregt, den andern in dem
auf Senkung der Preise beruhenden Kampf eine Nieder-
lage zu bereiten.
Vor allem muß man darauf achten, daß die zunehmende
Umwandlung des Gesamtkaovitals aus der Lohnform in die
technische Form auch dann stattfindet, wenn es keine Kon-
kurrenz mehr gibt; wenn sich nämlich die Unternehmer zu
einem Syndikat vereinigt haben und selbst wenn dieses
Syndikat 100% der Produzenten umfaßt, d. h. ein ftotales
Monopol darstellt. Wir haben in einer vorhergehenden
Arbeit *) gezeigt, daß gerade diejenigen Syndikate am besten
geleitet werden und am längsten dauern, die — trotz Auf-
hörens der Konkurrenz‘ wenigstens in den Formen und auf
den Gebieten, wo sie vor der Syndikatbildung kämpfte —
die Produktionskosten weiter vermindern. Nun ist es all-
gemein bekannt, daß von allen hierzu angezeigten Mitteln
gerade das wiksamste ist, den durch das technische Kapital
dargestellten Teil des Gesamtkapitals aufs höchste zu
steigern.
Wenn uns auch auf diese Weise die Konkurrenz mit
ihren eisernen Notwendigkeiten erklären könnte, warum
die Unternehmer eine wachsende Quote des eigenen Gesamt-
1) «Quantitä e prezzo di equilibrio in condizioni di concor-
renza e di monopolio». Roma, Atheneum, 1918. Einige der wesent-
Jicheren Teile dieser Untersuchung sind in Kapitel X unseres
«Preis und Mehrpreis» zusammengefaßt.
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