Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

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B. Betrachtungen 
„Organisch⸗zwangslaufige Bestgestaltung der ausführenden Arbeit im 
Betrieb“ x). Ihre Durchführung wird in Arbeitsbüros, dem Hirn 
und Herz des Taylorbetriebes vorgedacht, die Normung aller Hand⸗ 
griffe und Arbeitsmittel dort vorbereitet, Zeit⸗ und Bewegungs⸗ 
studien zerlegen die Arbeit in ihre Elemente. Ihre Auswertung in 
der Praxis erfolgt durch „Funktionsmeister“, von denen der erste die 
Anlernung, den „Drill“, der zweite das Arbeitstempo, der dritte die 
Bereitstellung der Werkzeuge, das Einrichten und Instandhalten der 
Maschinen zu überwachen hat. „Über diese gleichsam lebende Trans⸗ 
mission hinaus hangt jeder einzelne Arbeiter wieder am Arbeits⸗ 
büro, als der zentralen Triebwelle; um sie herum drehen sich nun 
diese Menschenleiber mit der Präzision eines Uhrwerks *xx).“ 
Lautet der Leitsatz der technischen Vernunft: „Handle stets mit dem 
vergleichsweise mindesten Aufwand“, so stellt der Taylorismus ihren 
Kulminationspunkt dar. Produktions⸗ und Arbeitsorganisation wer⸗ 
den nicht müßig, Wege und Möglichkeiten zur Verbesserung des 
Produktionsvorganges nach dem Gesetz des geringsten spezifischen 
Aufwandes ausfindig zu machen. Verschwendung wird zum Betriebs⸗ 
vergehen, Vergehen an der technischen Überlieferung zur Sünde. 
Rationale Technik ist das immerwährende Gebot der Stunde. Die 
Maxrimalleistung ist der Götze, um welchen der Erfindungsgeist der 
disponierenden Personen rotiert. Das Höchstergebnis wird heilig 
gesprochen. 
Man fühlt, wie unmittelbar diese tayloristische Arbeitsethik mit 
der kalvinistisch⸗puritanischen Erfolgsmetaphysik in Einklang steht. 
Calvin und die Puritaner hatten das berufliche Erfolgsstreben zur 
Gott gefälligen Handlung, zum Gottesdienst, emporgesteigert; Taylor 
zieht nur die logische Folgerung daraus, wenn er neben und gleich⸗ 
zeitig mit dem kapitalistischen Erfolg nun auch den rationalen Weg 
zu ihm sanktioniert. 
x) Gottl⸗Ottlilienfeld, Fordismus? Verlag Gustav Fischer, Jena 1925, S. 4. 
xx) Gottl⸗Ottilinfeeld, a. a. O. S. 5.
	        
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