Erhebung über die Produktion er)
der Bedeutung zu untersuchen, welche die Verkürzung der Arbeitszeit
auf diesem Gebiete haben könnte.
Man hätte sich vielleicht mit Recht darauf beschränken
können, die von der Mehrzahl der Regierungen einheitlich geäußerten
Ansichten wiederzugeben. Aus ihnen wurden zunächst
die wesentlichsten Teile übernommen, die man kurz wie folgt
zusammenfassen kann. Um die Zeit, als die Antworten fertiggestellt
wurden (im Verlaufe des Jahres 1921), erschien es unmöglich,
ein endgültiges Urteil über die Wirkungen der KEinführung
des Achtstundentages abzugeben, nicht nur, weil es an
der nötigen Erfahrung mangelte, sondern auch, weil diese Neuerung
unter den durch die Kriegsfolgen geschaffenen anormalen Verhältnissen
eingeführt wurde, wie Rohstoffkrise, Krise der Ausrüstung,
des Transportwesens, der Währung, der Absatzmärkte,
des Arbeitsmarktes, die anormalen Lebensverhältnisse der Arbeiter
usw. Dazu kam, daß der wirtschaftliche Niedergang, der gerade
dann einsetzte, als diese verschiedenen Schwierigkeiten langsam
überwunden wurden, die Betriebe in eine finanzielle Notlage
brachte, sodaß sie meist außerstande waren, die der Arbeitszeitverkürzung
entsprechenden technischen Umwandlungen vorzunehmen.
Bis also ausreichende Erfahrung gesammelt werden
konnte und die Neuerung auch unter normalen Verhältnissen
sich ausgewirkt hat, wird man mit seinem Urteile zurückhalten
müssen.
Es würde jedoch den Anschein erweckt haben, daß das Amt
den ihm übertragenen Auftrag nicht erfüllt hätte — auch wenn
man eine solche Ansicht sehr hoch zu schätzen hätte — wenn
nicht versucht worden wäre, wenigstens gewisse Seiten des Problemes
zu klären, und zwar umsomehr, als die durch die Durchführung
der Erhebung und durch die Fertigstellung des Berichtes
bedingten Verzögerungen die Möglichkeit zur Beschaffung neuer
Elemente der Beurteilung boten.
Zunächst sei die dabei befolgte Methode dargelegt. Wenn
man sich bei diesem Teile der Erhebung auch auf alle verfügbaren
zahlenmäßigen Unterlagen gestützt hat, so wurden doch die
statistischen Methoden nicht als die Hauptsache und in erster
Linie angewendet. Sie hätte hierbei auch keine befriedigenden
Ergebnisse zeitigen können, denn während des dabei behandelten
Zeitraumes waren allzuviele Veränderungen eingetreten, sowohl
in den materiellen und technischen Produktionsverhältnissen als
auch in dem körperlichen Zustande und in der seelischen und
sittlichen Einstellung der Arbeiterschaft. Eine Anhäufung von
Zahlenreihen würde darüber kein Licht verbreitet haben, während
dazu vor allen Dingen Licht, d. h. Erklärungen, und nicht nur
nackte Feststellungen, besonders erforderlich sind. Um unter so
zahlreichen tatsächlichen oder angenommenen Faktoren der Produktionskrise
die Verkürzung der Arbeitszeit ins rechte Licht
zu setzen, mußte versucht werden, die Auswirkung dieser Verkürzung
selbst zu erforschen oder, anders ausgedrückt, bei dieser
Untersuchung die Methode der experimentellen Wissenschaft
anzuwenden, die sich weniger um die Anhäufung als um die auf-245