Der Jansenismus.
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der Schrift und der Geschichte setzen diesen unaufheblichen Gegensatz
voraus und sind auf ihn bezogen und berechnet: „on n’entend
rien aux ouvrages de Dieu, si on ne prend pour principe
qu’il a voulu aveugler les uns et eclairer les autres“
(XX, 19), Die schillernde Zweideutigkeit, die allen Prophezeiungen,
allen Wundern anhaftet: sie ist selbst eine innere Notwendigkeit
des göttlichen Weltplans; die Offenbarung durfte nicht deutlicher
sprechen, ohne ihre List zu vereiteln, durch dieselben
äusseren Zeichen die Einen zu erleuchten, die anderen zu verblenden.
Es reicht hin, „dass sie dunkel genug war, um die
Verworfenen zu täuschen, und klar genug, um ihren Irrtum unentschuldbar
zu machen und sie zu verdammen‘“ (XVI, 9; XX, 1;
XXIV, 18). Wir begreifen nunmehr die Unmöglichkeit jeder
rationalen Einsicht in eine Religion, deren innerste Absicht
und deren innerster Gehalt darin besteht, den Verstand, sofern er
losgelöst von übernatürlichem Beistand bleibt, in die Irre zu
führen. Könnte sie bewiesen, könnte sie mit den natürlichen
Kräften des Geistes ergriffen werden, so wäre sie nicht mehr, was
sie ist: „c'est en manquant de preuve, que’elle ne manque pas de
sens“ (X, 1).
Es bleibt die Aufgabe der Geschichte der Religionsphilosophie,
sich in diese Grundfragen von Pascals Dogmatik zu versenken.
Aber auch hier konnten wir an ihnen nicht völlig vorübergehen,
denn nur von ihnen aus erklärt sich die Stellung des Erkenntnisproblems
innerhalb des Systems. Nun begreift sich, dass die
Skepsis Pascals nicht der Gegensatz, sondern die notwendige Ergänzung
und das unentbehrliche Mittelglied der Erfassung der religiösen
Wahrheit ist. Wenn sie sonst eine Vorstufe bedeutet, die
durch den Offenbarungsglauben erledigt und überflüssig gemacht
wird, so dient hier der Glaube dazu, sie um so fester zu begründen,
sie zu erklären und zu rechtfertigen.!!l) Solange der Vernunft noch
— auf irgend einem Gebiete immanenter Erscheinungen — das
Recht und die Möglichkeit fester Entscheidung gelassen ist, solange
ist das geistige Individuum nicht völlig vernichtet und
der göttlichen Allmacht aufgeopfert. Noch in den „Provinciales“
hatte Pascal, indem er sich auf die Seite Galileis stellte, die Beweiskraft
der methodischen Erfahrung als eines göttlichen Zeugen
segen die Autorität der Kurie verfochten,!?) jetzt gilt ihm jede
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