Während bei andern Gräserfrüchten, z. B. dem Weizen, die
Abscheidung der in den Stärkezellen des Nährgewebes noch
enthaltenen Eiweißstoffe auf rein mechanischem Wege gelingt,
laufen sämtliche Verfahren (Jones, Ransford, Berger) der Reis-
stärkegewinnung darauf hinaus, den die Stärkekörner verkitten-
den Kleber durch Behandlung mit verdünnter Ätzlauge (z. B.
0,25% Natronlauge), Ammoniak oder Säuren, oder (früher)
durch ein „Gärverfahren‘‘ zu lösen. Neuerdings hat man in
Frankreich auch den elektrischen Strom dazu herangezogen.
Nachdem man Kleber und Stärke voneinander geschieden hat,
wäscht und trocknet man die Stärke. Manche Fabrikanten
bleichen sie mit schwefliger Säure, andere setzen Ultramarıin zu,
um durch die blaue Farbe den gelben Ton zu verdecken. Die
Gesamtausbeute der Stärke aus dem Reis beträgt 85—90%.
Reisstärke enthält durchschnittlich 85,18% Stärke, 13,7%
Wasser, 0,88% Stickstoffsubstanz, 0,3% Asche, Spuren von
Fett und Rohfaser. Im Handel ist die Reisstärke entweder ın
kantig-prismatischen Stücken als Strahlen- oder Kristallstärke
oder aber (die schlechteren Sorten) in Form unregelmäßiger
Brocken (Schäfchen) oder als Pulver. „Royal Anglais‘““ ist
belgische (Remy-) Stärke, „Corn flour‘“® besonders feine Reis-
stärke.
Anwendung findet die Reisstärke in der Pharmazie als
Mittel gegen Durchfall. In der Kosmetik dient sie zur Her-
stellung von Puder. Der „poudre de riz‘“ des Handels besteht
zwar meist aus fein gemahlenem Speckstein.
In Indien aber wird noch ein wirklicher Reispuder bereitet,
der dort dieselben Dienste tut wie Specksteinstaub bei uns.
Roher Reis wird gut gewaschen und darauf ganz mit Wasser
bedeckt. Dieses Verfahren wird täglich wiederholt, wodurch
der Reis zu säuern anfängt und auseinanderfällt. Man seiht
die Flüssigkeit durch ein Tuch und knetet den Teig zu Kugeln,
die man in der Sonne trocknet. Diese werden dann mit wohl-
riechenden Blumen oder Blättern in eine gutschließende Flasche
getan; sind die Pflanzenteile verwelkt, muß man sie erneuern.
Wenn die Kugeln völlig von dem Dufte durchzogen sind, stößt
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