A
die bis in die mythische Zeit zurückweisen, besagen, daß der
Reis schon 2800 v. Chr. bei einer religiösen Zeremonie vom
Kaiser Shen nung (Yen Ti, dessen Regierung von anderen zwi-
schen 2737 und 2705 gesetzt wird), dem Begründer des chine-
sischen Ackerbaues, ausgesät wurde. Diese Überlieferung scheint
für China als das Land der ältesten Reiskultur zu sprechen.
Doch gibt es viele Gründe sprachlicher und historischer Natur
dafür, daß in Indien die Reiskultur zuerst aufgekommen sei.
Oryza oder Oryzon heißt der Reis schon bei den Griechen.
Der Name ist von Sanskrit vrihis abzuleiten; über das alt-
persische brizi und das arabische arruz gelangte das Wort in
die europäischen Sprachen. Das deutsche Reis stammt un-
mittelbar vom italienischen riso. Weder im Alten noch im
Neuen Testamente wird der Reis erwähnt, wohl aber im Talmud.
Von Indien aus machte das Abendland durch die Feldzüge
Alexanders des Großen mit dem Reis Bekanntschaft. Zunächst
wurde er aber nicht als Nahrung, sondern. nur medizinisch be-
nutzt; die griechisch-römischen Ärzte bereiteten ein schleimiges
Getränk aus ihm. Anbauversuche wurden damals im Abend-
lande noch nicht gemacht, Erst durch die Araber wurde die
Reiskultur nach Westen verbreitet, und zwar zunächst nach der
Eroberung Ägyptens im Nildelta und in den Oasen, bei ihrem
weiteren Vorrücken auch in Spanien. Mit dem Festsetzen der
spanischen Macht in Neapel und Mailand wurde auch die Reis-
kultur nach Italien übergeführt. Man stürzte sich, in der Hoff-
nung auf große Gewinne, mit Macht auf sie, so daß die Regierung
gegen die Ausdehnung der gesundheitsschädlichen Reisländereien
(Malaria!) einschritt. Zu einem Welthandelsartikel aber wurde
der Reis erst — wie Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle —
nach seiner Versetzung in-die neue Welt, die zwischen 1650
und 1700 geschah.