wortung für das eigene Handeln und für das Wohl der
Gesamtheit immer zweitelhafter wird, werden muß?
Kollektivistische und deterministische Gedankengänge las-
sen keinen Raum mehr für freien Wagemut, für das
Heldentum eigener Verantwortung: Das gilt vom Ööffent-
lichen Leben so gut wie vom privaten. Wer wüßte nicht,
daß Bismarck sich gegen die radikale Demokratie
vornehmlich deshalb wandte, daß er deshalb den .selbst-
regierenden König. von Preußen‘ verteidigte, .„Dis zum
letzten Atemzug“, weil er in der Deckung des Staatsmanns
durch namenl!ose Mehrheiten eine {jurchtbare
sittliche und öffentliche Gefahr erblickte!
Und wer könnte leugnen, daß die Verantwortungslosigkeit
der modernen Demokratie, gesteigert noch durch eine
falsche Sozialpolitik, furchtbare Ausmaße angenommen
hat. Und doch gibt oder gab es bisher noch ein Gebiet. wo
die kollektivistischen Tendenzen unserer Zeit sich bisher
nur unvollkommen durchgesetzt haben: das der Wirt-
schaft. obwohl der Sozialismus nunmehr auch hier zu
triumphieren Sucht,
Gibt es neben dem staatlichen ein Feld menschlicher
Tätigkeit, wo der Wert persönlicher Leistung, persön-
licher Verantwortung und persönlichen Wagemuts deut-
licher offenhar wird?
In grauenvoller Deutlichkeit stehen vor uns alle jene
Versuche der öffentlichen Hand zu „wirtschaften“
d. %. ohne Verantwortung, für alle Fälle gedeckt durch
namenliose parlamentarische Mehrheiten, ‚mit öffent-
lichen Geldern zu arbeiten, Es ist kein Zufall. daß
in unserem Zeitalter der Technik, der Maschine, der Wirt-
schaft und damit der Massen
der ganze geistig-politische Konflikt zwischen
{ndividualismus und Kollektivismusg zur letzten
Entscheidung gerade auf dem Gebiete der
Wirischait
rüstet.
Zwar wird niemand leugnen wollen und können, daß
wir aus einer überwiegend individualistisch gefärbten in
eine mehr kollektivistische Epoche getreten sind, und ge-
rade die neusten Forschungen haben deutlich gezeigt, wie
der moderne Wirtschaftsführer, wie der heu-
tize Unternehmer im Gegensatz zu dem vor einem Men-
schenalter nicht mehr allein für sich. nicht für seinen Be-
trieb arbeitet. sondern sich verantwortlich
fühlt tür die Gesamtheit der Volkswirt-
schaftund der Nation. Aber wir meinen. daß sich
auch im Zeitalter des Kollektivismus und Sozialismus le-
diglich das Gebiet seiner Verantwortung vergrößert hat,
daß er. in unseren Tagen deı höchsten Rationalisierung
der Arbeit weniger als jemals geneigt sein kann. diese Ver-
antwortung vor der Gesanıtheit einer namenlosen und un-
zeschulten Mehrheit zu überlassen. Hat eine Versammlung
von sonst guten und auch weisen Männern die Initiative,
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