Full text: Theorie der forstlichen Oekonomik

Kapital. b 
sondern teils auf Grund des Altersklassenverhältnisses und nach Massen- 
aufnahmen der ältesten Bestände, teils nach Ertragstafelangaben bemessen, 
wobei dem Gutachten und der Erfahrung ein beträchtlicher Raum bleibt. 
Sehr häufig wird nun der Wirtschafter die Nutzung absichtlich nicht 
genau in Höhe des Zuwachses, sondern entweder höher oder niedriger 
bemessen wollen. Im ersteren Falle findet nicht nur ein Genuß der 
Früchte des Holzvorr ats k a pita l s, sondern darüber hinaus 
ein Ab b aub e tr i e b statt. Der Forstbetrieb steht überhaupt insofern 
auf der Grenze zwischen Frucht- und Abbaubetrieb, als es im Ermessen 
des Wirtschafters steht, soweit er darin nicht etwa gesetzlich beschränkt ist, 
die Nutzung weit über den Zuwachs hinaus zu verstärken, ja, sogar den 
größten Teil des Holzvorratskapitals abzunutzen, ohne daß darum der 
Forstbetrieb als solcher unterbrochen zu werden braucht, wenn nur die 
abgeholzten Flächen wieder in Kultur gebracht werden. Die Frage, wie 
ein solcher Abbaubetrieb vom faorstpolitishen Gesichtspunkte aus zu 
beurteilen sein würde, steht hier nicht in Rede. 
. Anderseits kann durch Zurückbleiben der Nutzung hinter dem Zuwachs 
eine allmähliche Au f s p a r u n g von Holz und damit Vermehrung des 
produktiven Kapitals stattfinden. Der Wald erfüllt in solchem Falle die 
Rolle einer sselbsttätig mit Zinseszinsen, wenn auch mit niedrigen und bei 
fortdauernder Steigerung des Haolzvorratskapitals immer niedriger 
werdenden, arbeitenden Sparkasse. 
Die Höhe des investierten Kapitals, dessen wesentlichsten Bestandteil 
das Holzvorratskapital bildet, in Verhältnis gesetzt zu den Produktions- 
faktoren Boden und Arbeit, charakterisiert die Forstwirtschaft als eine 
k apitalintensive Wirtschaft. Der Unterschied gegenüber der 
Landwirtschaft in dieser Hinsicht ist sehr augenfällig. Eine Erhöhung 
der Kapitalintensität ist sowohl durch Vermehrung des stehenden Kapitals 
(Wegebauten, Einstellung von Zugmaschinen, Vermehrung und Ver- 
besserung der Arbeitsgeräte) als auch durch Vermehrung des umlaufenden 
Kapitals (Steigerung des Holzvorrats) möglich. 
Jür die Entscheidung, ob der Wirtschafter das vorhandene Holz- 
vorratskapital in seiner Höhe erhalten, verringern oder verstärken will, 
wird — abgesehen wiederum von gesetzlichen Beschränkungen der Wirt- 
schaftsfreiheit ~ einerseits sein Geldbedürfnis maßgebend sein, anderseits 
das Wirtschaftsziel, das er seiner Wirtschaft zugrunde legt. Von dem 
Wirtschaftsziel der Forstwirtschaft und seinem Einfluß auf die Bemessung 
des Holzvorratskapitals wird im Abschnitte: „Das Wirtschaftsziel der 
Forstwirtschaft“ zu reden sein.
	        
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