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Wir haben oben vorausgesetzt, daß das Holz eine einheitliche Masse
mit einheitlichem Preise sei. In Wirklichkeit ist nun das Holz hinsichtlich
seiner Brauchbarkeit sehr stark differenziert, von den zur Herstellung von
Furnieren geeigneten hochbezahlten Starkeichen bis herab zum Schwellen-
holz, Grubenholz, Schleifholz, und was auch dazu nicht mehr geeignet
ist, findet als Brennholz Verwendung. In gewissen Sortimenten
(schwachem Reisig) kann die Nachfrage sogar so gering sein, daß der
erzielte Preis die Werbungskosten nicht deckt, und die Aufarbeitung daher
unwirtschaftlich wird. Um den Preisbildungsprozeß theoretisch zu erfassen,
wie er sich unter der erweiterten Voraussetzung differenzierter Brauchbarkeit
des Holzes abspielt, müssen wir uns die produzierte Holzmenge in eine
Skala der verschiedenen Brauchbarkeiten einteilen. Für jede Stufe dieser
Skala wird dann das oben für die gesamte als einheitlich gedachte Holz-
menge hergeleitete Geseßz Gültigkeit haben. Te vorteilhafter die Ver-
wendung, desto höher der Preis, mit der Einschränkung, daß die wenigst
vorteilhafte in der einzelnen Stufe noch verwirklichte Verwendung den
Preis der ganzen Stufe bestimmt.
Auf den am Produtktionsorte gezahlten Holzpreis ist nun nicht nur die
Brauchbarkeit (Qualität) des Holzes, sondern auch seine A b s a ß lag e
von Einfluß. Unter gewissen Verhältnissen, z. B. im Hochgebirge oder
im Urwalde, können die Kosten der Holzbringung höher werden als der
erzielbare Preis, so daß aus diesem Grunde die Aufarbeitung unwirt-
schaftlich wird. Allgemein wird der Preisunterschied am Produktions-
und Verwendungsorte gleich den Transportkosten sein, zuzüglich der
Zinsen des am Produktionsorte gezahlten Preises während der Transport-
dauer, und zuzüglich eines Zuschlages an Unternehmergewinn, falls der
Transport durch einen besonderen Unternehmer besorgt wird.
Die weiter von uns oben für die isolierte Volkswirtschaft gemachte
Voraussetzung, daß keine Möglichkeit einer Holzzufuhr von außen bestehe,
trifft nun ebenfalls für die heutige Verkehrswirtschaft nicht zu. In
Wirklichkeit findet die Preisbildung des Holzes nicht innerhalb der einzelnen
Volkswirtschaft statt, sondern das Holz hat heute einen Weltmarkt -
p r e i s. Auf dem Weltmarkte regelt sich der Holzpreis nach dem von uns
dargelegten Geseß. In den einzelnen Staaten bewirkt die Zoll g es et -
g e b un g geringe Preisabweichungen. Im übrigen besitzt für waldreiche
Staaten mit wenig entwickelter Verkehrswirtschaft die Absatzlage eine
besondere Bedeutung. Es gibt Waldgebiete, in denen das Holz an Ort
und Stelle fast wertlos ist, und deren Konkurrenz auf dem Weltmarkte
ausschließlich von der Möglichkeit, Transportanlagen zu schaffen, abhängt.
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