dieses Zweiges der produktiven Arbeitslosenfürsorge würde
es am ehesten ermöglichen, die volkswirtschaftlichen Nachteile
der Spannung zwischen dem tatsächlich geltenden Lohnsatze
und dem natürlichen Preise der Arbeit überwinden zu helfen,
ohne den vollbeschäftigten Arbeiter zu schädigen.
Naturgemäß setzen alle diese erwähnten Einrichtungen
und Unternehmungen eine wirklich großzügige und plan-
mäßige Organisation der produktiven Arbeitslosenfürsorge,
die Schaffung eines zeitlich und sachlich umfassenden Wirt-
schaftsplanes (als eine Art Gegenstück zum sogenannten
Finanzplane) etz. seitens der öffentlichen Körperschaften,
insbesonders des Staates voraus, und verlangen von den in
Frage kommenden Organen des Staates und seinen Experten
erstklassige Sachkenntnis und tatsächlichen Einblick in das
Wirtschaftsleben. Aber das sind Forderungen, die im modernen
Staate ohnedies dringendst der Erfüllung bedürfen. Da
der Staat einmal — und, wie wir meinen, mit Recht und
durch die wirtschaftliche Entwicklung sogar gezwungen —
den Grundsatz des laisser-faire, laisser-passer nicht mehr
unbedingt anerkennt, muß er die Gefahren einer rein büro-
kratischen Beeinflußung des Wirtschaftslebens auf jeden Fall
bannen, will er nicht mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften.
Sollte nun die Einrichtung der Arbeitslosenver-
sicherung bei Durchführung einer solchen produktiven
Arbeitslosenfürsorge gänzlich in Wegfall kommen?
43) Ensland, das Land, das den Begriff der Schlüsselindustrie prägte,
hat sich mit der staatlichen Subventionierung des Kohlenbergbaues
zu einem für uns in diesem Zusammenhange recht interessanten Schritte
entschlossen. Allerdings ist diese Form der Verbilligung der Produktions-
kosten auf die Dauer nicht gsangbar, am wenigsten für ein armes Land.
Dieses Beispiel des englischen Kohlenbergbaues ist übrigens für unsere
früheren Ausführungen recht bezeichnend. Die Ursache der auf diesem
Gebiete in England vorherrschenden oder zu befürchtenden Arbeitslosig-
keit ist nach übereinstimmender Meinung aller Beteiligten in der bei den
gegebenen Gestehungskosten und Preisen der Kohle geringen
Absatzmöglichkeit gelegen. Die Unternehmer wollen darıtm die
Löhne senken, die Arbeiter halten eine Senkung der Gestehungskosten
durch Verbesserung der rückständigen Produktionsmethoden und
Produktionsmittel für möglich und für das Gegebene. Vergl. dazu unsere
Ausführungen oben S. 25, P. 3. Auch für die oben allgemein gebrachte For-
derung nach Gewinnaufteilung und Kontrolle der Geschäftsführung bilden
die Bedingungen, unter denen die erwähnte Subventionierung erfolgt, eine
wertvolle Illustration.
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