Full text : Ernährung und Schutzzoll

in Jahren guter Ernte wie z. B. 1925 die Gesamtheit der Verbraucher
 in vollem Umfange den Vorteil des heimischen Überangebots
 (Kartoffeln und Roggen) und damit zusammenhängenden
 Preisdrucks für sich in Anspruch nehmen kann, so ist
es nur billig, wenn in Jahren der Mißernte der Landwirt in
einem gesteigerten Preis einen teilweisen Ausgleich für den
Minderertrag findet.
Nimmt man die Dinge im großen ganzen, so bewirkt Zollschutz
 Produktionssteigerung und damit Preissenkung. Man erinnert
 sich, wie zur Bülowzeit, als etwas erhöhte Getreidezölle
eingeführt wurden, über Brotwucher geklagt wurde. Was ist
eingetreten? Die Anbauflächen wuchsen, bei Roggen allein um
200 000 ha (1913 gegen 1906), das sind 800 000 preußische
Morgen. Die erzeugten Roggenmengen wuchsen noch stärker,
weil an Dünger usw. mehr riskiert wurde. Die Hektarerträge
stellten sich vor und nach der Einführung der sog. Bülowzölle in
langjährigen Durchschnitten berechnet wie folgt:
Roggen Weizen
1893-1906 .......... 13,9 dz 17,3 dz
1907-1914 .... ...... 17,9 dz 22,1 dz
Bei Gerste, Hafer usw. trat gleiches ein. Durchschnittlich also
trug jeder Hektar nach der Zollerhöhung 20-25 v. H. mehr
als vorher.
Schutz der nationalen Arbeit ist auch Schutz der Volksernährung.
Ziehen wir das Schlußergebnis, so können wir feststellen:
Die Schwäche der deutschen Wirtschaft gegenüber dem Ausland
liegt darin, daß Deutschland für seine Industriewaren Absatz im
Auslande suchen muß, die meisten fremden Länder aber kein
Interesse daran haben, ihn zu gewähren.

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