schließlich das Ganze in eine sexuelle Orgie ausartete, an der er
selbst sich am meisten beteiligte. Die Frauen, welche ihm ver-
fallen waren, wurden seine Sklavinnen, die kommen mußten,
wenn er rief, und die er rücksichtslos schlng und fortschickte, wenn
sie ihm nicht mehr gefielen.
4. Selbstverständlich ist, daß Rasputin nur da gedeihen
konnte, wo entweder größte Einfalt herrschte, oder jene Mischung
von Überkultur und Barbarei, die in manchen Kreisen Rußlands
zu finden ist. Rußland hat schon vor Rasputin den Mönch
Heliodor und den aus Bordeaux stammenden Vertreter des Okkul-
tismus, Papus, gehabt und beide erfreuten sich längere Zeit weit-
gehenden Einflusses bis in die höchsten Kreise. Der Franzose
speziell hat dem Zaren sehr nahe gestanden.
Es gibt außerdem in Rußland ganze Sekten, eine davon +
gekennzeichnet durch das vagabundierende Bauernpilgertum
(Starez) mit religiös-suggestivem und stark sinnlichem Ein-
schlag +- heißt Chlysty. Zu der letzteren wurde Rasputin wenig-
stens zeitweise gerechnet.
Für unsere Zwecke wichtig, ist die Frage, wie weit Rasputin
an seine Mission geglaubt hat.
Wenn er sich selbst immer starke Suggestivkraft zuschrieb, so
hatte er recht. Zweifelhaft scheint mir, ob er bis zuletzt geglaubt
hat, ein Prophet und Vaterlandsretter zu sein. Ziemlich sicher ist
jedenfalls, daß er seine Stellung und seine Fähigkeiten in sehr
realer Weise und offenbar bewußt ausnützte, um Geld zu ver-
dienen und seinen sexuellen Neigungen zu frönen.
Eine von jenen Erscheinungen, die| für eine große Idee ihre
ganze Persönlichkeit und Existenz einsetßen, war er nicht. Das
beweist am besten auch sein Niedergang und Ende. Auf der Höhe
stehend und in ein Milieu versetzt, das ihm viele Lockungen bot,
I4