Full text : Über Wahrsager, Weltverbesserer, Nerven- und Geisteskrankheiten im Kriege

verfiel er wieder dem! Trunke, so daß nicht allein seine politischen
Gegner auf seinen Sturz hinarbeiteten, sondern auch mancher
„Gläubige“ an ihm zweifelte. Er wurde unvorsichtig, maßlos
im Haß gegen seine Feinde, unersättlich in seinen Begierden und
entkleidete sich selbst so allmählich des Nimbus, dem er seinen
Aufstieg verdankte. Aus dem Heiligen wurde wieder ein Trinker.
So sehen wir auch bei Rasputin eine geradezu gesetzmäßig
auftretende Erscheinung, nämlich die, daß solchen Ausnahmemenschen
 neben den besonderen Fähigkeiten, denen sie in ihren
Aufstieg verdanken, andere Eigenschaften innewohnen, die sie zu
Fall bringen. -
Zu den bisher besprochenen Persönlichkeiten kommen srchließlich
 auch noch einige Typen von pathologischen Lü g n er n und
Sch win dlern, die entweder aus einem krankhaften Hang zum
Lügen heraus allerlei die Öffentlichkeit beunruhigende Gerüchte
verbreiten, oder sich unter dem Einflusse der abnormen wirtschaftlichen
 Verhältnisse des Krieges zu Hochstaplern, Heiratsschwindlern,
 Ordens- und Titeljägern entwickeln, bis sie bei irgendeiner
Gelegenheit dem Strafrichter verfallen.
Es ist dabei bemerkenswert, daß manche von diesen Menschen
 vor dem Kriege verhältnismäßig harmlose Persönlichkeiten
waren, die hie und da wohl durch Lügen auffielen, auch sonst in
mancher Beziehung einen etwas ungewöhnlichen Werdegang
hatten, im übrigen aber mit dem Gesetz noch nicht in Konflikt
gekommen waren.
Nachdem der Krieg sie dann aus ihren kleinbürgerlichen Verhältnisssen
 herausgerissen hatte, zeigte sich, daß ihre militärische
Verwendbarkeit meist gleich Null war. Sie benutzten ihre Einberufung
 nur dazu, um bequemer hochstapeln zu können. Auffallend
 ist, daß sie sich oft) mit einer geradezu verblüffenden Ge-I

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