278 Neuntes Buch. Viertes Kapitel.
lich ein neues, ziemlich sicher funktionierendes Fürstenregiment
im Reiche, und etwa anderthalb Jahre lang hat sich König
Heinrich ihm gefügt. Allein noch war neben den Fürsten und
den Städten die Ministerialität vorhanden, wenngleich sie ihrer
alten Bedeutung allmählich abstarb. Jetzt hatte sie mit König
Heinrich gemeinsame Demütigungen erfahren; bald gewann sie
ausschließlich das Herz des Herrschers. Die Fürsten ver—
schwinden wiederum vom königlichen Hofe; erneut treten die
Dienstmannen hervor und versuchen, in Bewegung und Zielen
nicht mehr völlig klar, ein eigenständiges Regiment gegen die
Fürsten und den Kaiser zu begründen mit Hilfe auswärtiger Mächte.
Mitte November 1234 geht der Ministerial Anselm von
Justingen nach der Lombardei; er bringt einen Bund König
Heinrichs mit den kaiserfeindlichen Städten auf zehn Jahre zu
stande. Bald darauf, wohl Februar 12885, verhandelt Heinrich
mit König Ludwig IX. von Frankreich; verwandtschaftliche Be⸗
ziehungen zwischen beiden Königen sollen einen engen politischen
Bund einleiten.
Es waren Schritte, die den längst mißtrauischen Kaiser
zu energischem Einschreiten veranlaßten. Gegenüber der loin—
bardischen Politik Heinrichs begann er sich auf den Papst zu
stützen, gegenüber den deutsch-französischen Verhandlungen auf
einen Bund mit England, der durch seine Verlobung mit der
englischen Prinzessin Isabella eingeleitet ward: so gewann er
den deutschen Episkopat und den Niederrhein ; die Laienfürsten
standen längst auf seiner Seite: nur die Ministerialität hielt
noch zu Heinrich.
Heinrich war verloren, als der Kaiser dem deutschen Boden
nahte. In friedlichem Zug, mit in Deutschland unerhörtem,
fremdländischem Gepränge zog Friedrich durch Süddeutschland
gen Worms, die Hochzeit mit Isabella zu feiern. Heinrich aber
ward seiner Regierung entsetzt und nach Apulien gefangen
geführt, wo er sieben Jahre später, 1242, gestorben ist.
Das Schicksal Heinrichs riß das der Reichsministerialen
mit sich. Sie scheiden nunmehr aus dem Dienste des deut—
schen Königtums; sie verschmelzen mit dem niederen Adel.