Ethnologische Verhältnisse.
Neben den Mestizen und Indianern stehen noch die
Kreolen und aus Europa neu eingewanderte: Weiße, doch
ist der Abstand zwischen diesen und den Mischlingen bei
weitem nicht so groß wie im übrigen lateinischen Amerika.
Haben es doch die intelligenten Mestizen, die in allen Be-
rufszweigen vertreten sind, dahin gebracht, daß ihnen, nach-
dem ein großer Teil sich dem Studium zugewendet hat, die
Laufbahn des Beamten, des Kongreßmitgliedes und Offiziers
offensteht. Der gegenwärtig amtierende verdienstvolle Prä-
sident Porfirio Diaz ist aus ihren Reihen hervorgegangen.
Sehr bezeichnend für die Bedeutung der Mestizen ist, was
Lemcke über. sie sagt: „Der Mestize ist ausgeprägt originell
mit nationalen Gewohnheiten und volkstümlich, der Kreole
kopiert den Spanier, der Indianer hat seine Stammessitten,
der Mestize ist Mexikaner ausschließlich und der Kreole auf
dem. Lande nimmt mehr seine Sitten an als umgekehrt‘!)“.
Eine Vergleichung der hier nur kurz angedeuteten Ent-
wickelung der Bevölkerungen in den lateinisch- amerikani-
schen Staaten muß ohne weiteres die Tatsache erklären, daß
Mexiko heute in jeder Beziehung an führender Stelle im
lateinischen Amerika steht. Wenn es auch noch einer sehr
bedeutenden Einwanderung bedarf, um die Kulturverbreitung
in dem ausgedehnten Lande wirksam durchzuführen, so. ist
doch hier allein der Anfang zu einer Erziehung des Volkes
in nationalem und wirtschaftlichem Sinne zu einer in die
Daseinsbedingungen des Volkes tief hineingreifenden Ent-
wickelung einer Fabrikindustrie gemacht.
Diese Verhältnisse für das ganze lateinische ‚Amerika
eingehender zu Schildern, wird Aufgabe des nächsten Ab-
Schnittes sein.
1 Lemcke: Mexiko. S. 20 u: f.
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