Ethnologische Verhältnisse.
und sich zu jeder beliebigen Verwendung brauchbar erweist,
so daß auf sie gestützt Mexiko als einziger lateinisch-amerikanischer
Staat anfangen kann, die Entwickelung seiner
Fabrikindustrie durch Gewinnung von Arbeitern im eigenen
Lande auf eine nationale und wirklich volkswirtschaftliche
Grundlage zu stellen. Es müßte auf diesen Umstand bei
einer Darstellung der mexikanischen Wirtschaits- und Industrieverhältnisse
besonders eingegangen werden, während
hier nur gezeigt werden soll, daß durch eine Umgestaltung
der Bevölkerung in dieser eine Grundlage für eine volkswirtschaftliche
Entwickelung der Industrie gewonnen werden
kann.
Anders lagen die Verhältnisse bei den freien Indianern,
die den größten Teil der mexikanischen Bevölkerung bildeten.
Auch sie scheinen ihren südlicheren Stammesgenossen erheblich
voraus gewesen zu Sein, allein es gilt dasselbe wie
von dem übrigen ungeheuren lateinisch - amerikanischen Besitz,
die. Zahl der Weißen reichte nicht aus ‚zur Durchdringung
der eingeborenen Bevölkerung mit der europäischen
Kultur. Die Indianer wurden anfangs auf den großen Gütern,
die sich die Europäer angeeignet hatten, als Landarbeiter
beschäftigt, da aber die von den Europäern geforderte Arbeit
offenbar die Kräfte der Indianer überstieg, gingen sie massenweise
zugrunde und erhielten dann auf Betreiben der Geistlichkeit,
die sich ihrer kräftig annahm, einen Ersatz durch
eingeführte Neger. Seither hat man sie, wo sie nicht der
Ausbreitung des Grundbesitzes und anderer kultureller Anlagen
im Wege waren, mehr oder minder sich selbst überlassen
und es scheint, daß sie, soweit sie nicht in dichtbevölkerten
Gegenden mehr mit Kreolen und Mestizen in
Berührung kommen, in abgeschlossenen Gemeinden oder
fernab von jeder Kultur in der Wildnis lebend, kulturell
zurückgegangen sind, woran die Tatsache nichts ändert, daß
sie meist Christen und wirkliche Bürger der Republik sind.
Da eine Vermischung mit Europäern kaum. stattgefunden
hat, leben sie heute noch in dem gleichen engen Ideenkreis
wie zur. Zeit der Eroberung, „nur noch mehr verdummt
durch Branntwein und den Formelkram einer unverstandenen
Religion“ *). Es muß aber anerkannt werden, daß die zielbewußte
mexikanische Regierung viel tut, um dieses an sich
wertvolle Menschenmaterial zur Mitwirkung an der wirtschaftlichen
Entwickelung der Republik heranzuziehen.
1) Lemcke: Mexiko S. 20 u. f.
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