Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 151 
Der Friede bedeutete einen Sieg Friedrichs insoweit, als 
es ihm gelang, in der Lombardei finanzielle Rechte in einem 
Umfang festzuhalten, wie es nach dem Unglück von Legnano 
kaum noch zu erwarten stand; er bedeutete den Triumph der 
Lombarden insofern, als Friedrich auf die Einordnung der 
Städte in den alten Feudalstaat, auf das Ideal eines lombardisch— 
staufischen Einheitsstaates verzichtete. Die Städte wurden 
als selbständige, wenn auch vom Reiche noch in gewissem Sinne 
abhängige Stadtwesen anerkannt, deren gemeinsamer Bund be— 
stehen blieb: innerhalb des Feudalverbandes bildeten sie mit 
ihren Weichbildern gleichsam eingestreute Inseln geldwirtschaft— 
lichen, reichsstädtischen Charakters. Für ihre innere Entwicklung 
wurde jede Stadt nahezu autonom hingestellt dadurch, daß ihr 
die Gerichtsbarkeit und die Regalien in dem bisher für sie 
nachweisbaren Umfang dauernd zufielen: zudem war jede Stadt 
berechtigt, die etwa überschießenden, noch kaiserlichen Gerechtsame 
durch Zahlung von jährlich 2000 Mark (über 600 000 Mark 
unseres Geldes) thatsächlich in ihre Hände zu bringen!. Über 
das städtische Weichbild hinaus aber war ein Zusammenhang 
mit dem Reiche nur noch gesichert durch den Treueid aller 
erwachsenen Bürger, durch die Reichslasten der allgemeinen 
Brücken- und Wegeerhaltung, der Stellung von Markt und 
Fourage beim Durchmarsch kaiserlicher Heere sowie der sog. 
freiwilligen Geschenke, und ferner durch die Verpflichtung zur 
Präsentation der jährlich wechselnden Magistrate zu kaiserlicher 
Bestätigung und durch den rechtlichen Instanzenzug aus den 
Stadtgerichten in die höheren kaiserlichen Gerichte. 
Es ist eine Verfassung, unter der das städtische Leben der 
Lombardei machtvoll und frei emporgeblüht ist, ohne daß doch der 
Kaiser seines ersten Zieles, der Gewinnung erhöhter Einnahmen 
verlustig ging; darum haben sich Städte und Kaiser freudig in 
ihr Kompromiß gefunden, und Mailand, ehedem die hart 
geknechtete Trägerin des kaiserlichen Grimms, erwuchs nun bald 
1 Wäre das seitens aller Städte zur Anwendung gekommen, so hätte 
sich für den Kaiser eine Jahreseinnahme ergeben größer als die ursprüng— 
liche von 151/2 Millionen Mark.
	        
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