Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

744 J Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
überschritten hatten, hatte Karl Albert von Bayern Passau 
besetzt: den Schlüssel zu weiterem Vordringen gegen Österreich. 
Dann waren die Franzosen in Bayern erschienen; hatten mit 
bayrischen Truppen zusammen die österreichische Grenze ohne 
Hindernisse zu finden passiert; waren am 15. September in 
Linz eingetroffen. Hätte man nun nicht einen raschen Vor— 
marsch auf das ungeschützte Wien erwarten sollen? 
Aber nichts dergleichen geschah. Der Kurfürst von Bayern 
ließ sich in Linz von den oberösterreichischen Ständen 
huldigen; die Franzosen schwenkten nach Norden, zur Er— 
oberung Böhmens, ab. Sehr begreiflich, da Belle-Isle das 
Oberkommando führte: Böhmen sollte einmal an Bayern 
fallen, wie Mähren und Oberschlesien an Sachsen: da mußten 
zunächst diese Gebiete erobert werden. 
Und der Plan Belle⸗Isles wurde mit Erfolg durchgeführt! 
In Böhmen fanden die Franzosen keinen Widerstand; mit 
großem Pomp wurde Karl Albert am 7. Dezember zu Prag, 
das mit sächsischer Hilfe uberrumpelt worden war, zum Könige 
des Landes gekrönt, um ihn zahlreich die Stände des Reichs 
mit dem Prager Erzbischof an der Spitze. Es schien ein 
Siegeszug ohnegleichen. Und für Karl Albert setzte er sich 
von dem erzherzoglichen Hute Osterreichs über die böhmische 
Königskrone noch weiter fort — zur Kaiserkrone in Frankfurt. 
Denn inzwischen hatten nun endlich auch, am 4. November, 
die Konferenzen über die Kaiserwahl ernsthafter begonnen; 
man hatte die böhmische Kurstimme „für dermalen denen be— 
wandten Umständen nach“ als ausgeschlossen erklärt; und am 
24. Januar 1742 ging dann Karl Albert aus der einstimmigen 
Wahl der vertretenen Kurfürsten als römischer Kaiser hervor. 
Es war der Höhepunkt im Leben des bayrischen Kurfürsten — 
der Höhepunkt auch seines Kaisertums zugleich. 
Denn inzwischen hatte sich die Vernachlässigung des Zuges 
auf Wien denn doch nicht allein in der immer selbständiger 
werdenden Haltung Friedrichs II. zu rächen begonnen. Die 
Ungarn stellten nun wirklich die versprochene Armee wenn 
auch nicht in der versprochenen Stärke, und neben sie traten
	        
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