Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

746 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
getreten, während Friedrich seine Truppen aus Böhmen zurück⸗ 
zuziehen versprach und allen sonstigen Ansprüchen an das Haus 
Osterreich entsagte. 
Für Maria Theresia aber bedeutete der Breslauer Friede 
die Freiheit des Handelns gegen Westen hin, gegen Bayern 
und Frankreich. Und mit welchem Feuer ergriff sie nunmehr 
den Moment: „Jetzt ist der Augenblick gekommen,“ schrieb 
sie an den böhmischen Kanzler Grafen Kinsky, ‚wo man Mut 
zeigen muß, um sich das Land zu erhalten und mit ihm die 
Königin.“ In der Tat erwies sich wenigstens die Wieder— 
eroberung Böhmens als eine Frage nur kurzer Zeit. Gegen⸗ 
über dem Andrängen der österreichischen Truppen konnten 
sich die Franzosen nicht halten; bald haben sie sich auf 
Prag beschränkt und in Prag eingeschlossen; eine Armee, die 
sie dort entsetzen sollte, mußte in der Oberpfalz umkehren; 
mühsam nur schlug sich Belle-Isle mit 14 000 Mann im Dezember 
1742 von Prag nach Eger durch; am 2. Januar 1748 ging 
die Hauptstadt wieder an die Osterreicher über: sang- und 
klanglos, wie einst das Winterkönigtum der pfälzischen Wittels⸗ 
bacher, sank auch das böhmische Königtum der bayrischen 
Wittelsbacher ins Grab. Maria Theresia aber war dem 
Volke, das sich so leicht der Abtrünnigkeit ergeben hatte, eine 
milde neue Herrscherin. Zwar wurde ihm nichts von seiner 
früheren Selbständigkeit wiedergegeben, wie diese freilich schon 
Ferdinand II. geknickt hatte, auch mußten die Stände sich zu 
starken Kriegsleistungen bequemen, und besonders gegnerische 
Geschlechter und Männer traf Konfiskation und Verbannung. 
Im ganzen aber gewann die Königin das Land durch rasche 
und unermüdliche Fürsorge und durch den freudigen Eindruck 
ihrer Persönlichkeit; unter dem Jubel der Bevölkerung ist sie 
am 12. Mai 1748 zu Prag gekrönt worden. 
Es war etwa zu der Zeit, da sich auch in dem direkten 
Kampfe sterreichs gegen Frankreich, der sich nun mit dem 
noch immer fortwährenden Kriege zwischen England und 
Frankreich verschmolz, der Erfolg auf die Seite der Königin 
zu neigen begann: ihre Truppen durchzogen im Juni Bayern,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.