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nahm die grossartige Aufgabe, ein Völkerrecht zu schaffen.
Seine Zeit kannte ein Völkerrecht nicht. Er forderte es, und
er entwarf ein gewaltiges Bild von einem Rechte, wie es sein
sollte. Woher die Farben dazu nehmen? Das römische Recht,
universellen Charakters, mit einer Wissenschaft bewehrt, konnte
sie bieten.
Vor allem — das Völkerrecht sollte ein vernünftiges
Recht sein, und als ratio scripta, als schriftgewordene Vernunft
erschien dem bewundernden Zeitalter das römische Recht. Das
aber ist der springende Punkt. Die Reception des römischen
Rechts in der völkerrechtlichen Doktrin ist das Werk des Natur-
rechts. Der Ausgangspunkt ist naturrechtlich.!) Darum entscheidet
das Maass an Stärke, in der die naturrechtliche Anschauung
innerhalb der Völkerrechtstheorie herrscht, zu allen Zeiten über
den Umfang, in dem sie römisches Recht verarbeitet. So hält
sich Grotius, der ja positives Völkerrecht neben dem Naturrechte
anerkennt, hier noch in verhältnissmässig engen Grenzen. Aber
sobald die Auffassung überwiegt, dass das Völkerrecht sich nur
als Naturrecht denken lasse, dass ferner, da das Naturrecht ur-
sprünglich als Recht der einzelnen Menschen gegeben sei, die
Beziehungen der Staaten durch ein angewandtes Naturrecht
ihre Normirung erhalten?) — in demselben Augenblicke ist auch
die theoretische Reception des römischen Rechts in das Völker-
1) Vergl. Oppenheim, System des Völkerrechts. 2. Aufl. Leipzig 1866. 5. 8,
80; Maine, Ancient Law. 12. ed. London 18858, p. 97 foll.; derselbe, Inter-
national Law. p. 16 foll., 20 foll.; Westlake, Chapters on the Principles of
International Law. Cambrigde 1894, p. 10 foll.; Lawrence, Essays on some
disputed Questions in modern International Law. Cambridge 1884. p. 172 foll.
2) Hobbes, Elementa philosophica de cive, cap. 14 $ 4; Leviathan II.
cap. 301 f.; Pufendorf, Elementa jurisprudentiae universalis I $$ 24, 25, 26;
de Jure naturae et gentium Il. cap. 3 $ 23; de officio hominis et civis I. cap.
3 if.; Thomasius, Institutiones jurisprudentiae divinae. 7. ed. Halle 1730,
III. cap. 1 846 et seq; cap 8, 9; Gribner, Principia jurisprudentiae naturalis
Wittemb. 1717. III. cap. I $1 et seq; Burlamaqui, Juris naturalis
elementa. Genf 1754 cap. 6. $ 5; Prineipes du droit politique. II Amsterdam
1751. p. 1 et suiv; Heineccius a. a. O. 88 21, 22. Noch in unserem Jahr-
hundert: Gros, Lehrbuch der philos. Rechtswissenschaft. Tüb. 1802, S. 231;
v. Gagern, Critik des Völkerrechts. Leipzig 1840. 5.22, 37 f.; Bowyer,
Commentaries on Universal Public Law. p. 67 foll; Lorimer, Institutes
of the Law of Nations. I pv. 1 foll. u. a. m.