Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 24. Die Nachfrage nach Kapitaldisposition. 209 
Fabrikbetrieb eingeführt werden soll oder nicht, hängt natürlich unter 
gewissen Verhältnissen auch von der Höhe des Arbeitslohns ab. Eine 
Steigerung der Lohnsätze in dem betreffenden Betriebe. kann die Frage 
zugunsten der Maschine entscheiden. Offenbar haben aber für den ein- 
zelnen Betrieb Lohnsteigerungen innerhalb der gewöhnlich vorkommen- 
den Grenzen meistens einen weit geringeren Einfluß auf die Konkurrenz- 
fähigkeit der Maschinentechnik, als die hier erwähnten Faktoren: eine 
Vergrößerung des Betriebes, wie sie täglich vorkommt, hat z. .B in 
dieser Beziehung eine viel kräftigere Wirkung. Was in dieser Hinsicht 
für die Lohnbewegungen gilt, dürfte auch meistens von den gewöhn- 
lichen Bewegungen des Zinsfußes gelten. Die Konkurrenz zwischen 
Maschinen- und Handarbeit kann also nicht einfach als ein nach dem 
Substitutionsprinzip zu lösendes Preisbildungsproblem behandelt werden. 
Das Gesagte gilt natürlich in noch höherem Grade für das allgemeine 
Problem der Substitution von Kapitaldisposition für andere Pro- 
duktionsfaktoren. Die Bedingungen der Konkurrenzfähigkeit der 
großen Transportanstalten und anderer großen Anlagen der modernen 
Technik sind keineswegs ausschließlich als eine Frage relativer Kosten 
verschiedener Produktionsmethoden zu beurteilen. 
Wenn man wähnt, die ganze Zinstheorie vom speziellen Gesichts- 
punkt des Substitutionsprinzips behandeln zu können, etwa in der 
billigen Formel, daß der Zins gleich der Grenzproduktivität der Kapital- 
disposition in der Konkurrenz mit anderen Produktionsfaktoren ist, 
die erschöpfende Lösung des Zinsproblems sehen will, dann übersieht 
man Vollständig die grundlegende Bedeutung, die das Prinzip der 
Knappheit für das Zinsproblem wie für jedes andere Problem der Preis- 
bildung hat. Die allgemeine Erklärung des Zinses muß doch immer in 
der relativen Knappheit der zur Verfügung stehenden Kapitaldisposi- 
tion im Verhältnis zur Nachfrage nach ihr gesucht werden. Das Sub- 
stitutionsprinzip hat daneben eine untergeordnete Stellung, bedeutet 
nur, daß diese Nachfrage nicht mit den Ansprüchen der Konsumenten 
vollständig bestimmt ist, sondern in gewissem Umfang auch von den 
Bedingungen der Produktion beeinflußt wird. 
In bezug auf die Voraussetzungen für eine Substitution von Kapital- 
disposition für andere Produktionsfaktoren sei noch bemerkt, daß eine 
allgemeine und gleichförmige Erhöhung der Preise dieser anderen Pro- 
duktionsfaktoren die Preise der dauerhaften Produktionsmittel und 
folglich auch die zur Ausnutzung derselben erforderlichen Quantitäten 
von Kapitaldisposition im entsprechenden Verhältnis steigern müßte, 
somit bei unverändertem Zinsfuß die genannte Substitution nicht be- 
fördern könnte. Wenn nur die Arbeitslöhne in der Landwirtschaft 
steigen, kann dies eine ausgedehnte Verwendung von landwirtschaft- 
lichen Maschinen veranlassen, wenn aber gleichzeitig auch alle anderen 
Löhne ebensoviel steigen, werden sowohl die landwirtschaftlichen 
Cassel, Theoret. Sozialökonomie. 4. Aufl. 
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