8 24. Die Nachfrage nach Kapitaldisposition. 207
faktoren substituiert werden soll, hängt natürlich in erster-Linie vom
Preise der Kapitaldisposition ab. Je niedriger der Zi sfüß ist, “um
so weiter vermag die Kapitaldisposition konkurrierende roduktionsfaktoren
zu verdrängen. In den eben betrachteten Fällen w d’ein hoher
Zinsfuß wahrscheinlich die Untergrundlinie unmöglich machen; ırend
ein niedriger Zinsfuß ihre Vorteile vielleicht außer Zweifel setzt. Da
die Verzinsung des Anlagekapitals den größten Teil der jährlichen
Kosten der Untergrundlinie darstellt, wird natürlich ein Sinken des
Zinsfußes auf die Hälfte diese Kosten wesentlich herabsetzen und somit
auch die Konkurrenzfähigkeit der Untergrundlinie wesentlich
stärken. In manchen Fällen kann auch eine dauerhafte Anlage mit
verschiedener Solidität ausgeführt werden. Welche Dauerhaftigkeit man
der Anlage wirtschaftlicherweise geben soll, wird dann ebenfalls vom
Zinsfuß abhängen.
Das moderne Wirtschaftsleben zeigt gewisse allgemeine Tendenzen,
die eine fortschreitende Substitution von Kapitaldisposition für andere
Produktionsfaktoren befördern. Unter diesen können wir in erster
Linie die Fortschritte der Technik nennen, die unzweifelhaft überwiegend
in der Richtung einer ausgedehnten Anwendung von festem
Realkapital gehen. Die größten Errungenschaften der Technik im
letzten Jahrhundert zeigen ganz auffallend diesen Charakter. Man
braucht nur an die Eisenbahnen, die modernen Ozeandampfer, die großen
Kanäle des Weltverkehrs, die neueste Entwicklung auf dem Gebiete
der Krafterzeugung unter Ausnutzung der Wasserkraft, die Anwendung
von Gas und Elektrizität für Beleuchtung und Heizung, die übrigen
Verwendungen der Elektrizitätstechnik usw., sowie an die die gesamte
fabrikindustrielle Entwicklung beherrschende, immer weiter fortschreitende
Verdrängung der Handarbeit durch mehr oder weniger
automatische Arbeitsmaschinen zu denken, um über die ganz überwiegende
Bedeutung dieser Tendenz vollständig klar zu werden. Die
Fortschritte in der entgegengesetzten Richtung, zu welchen wir vielleicht
die drahtlose Telegraphie rechnen können, sind ohne Zweifel Ausnahmen
von der Regel.
In zweiter Linie ist die allgemeine wirtschaftliche Konzentrationsbewegung
zu berücksichtigen. Die wirtschaftliche Möglichkeit, dauerhafte
Produktionsmittel in der Produktion zu verwenden, hängt offenbar
von der Fähigkeit des Produzenten ab, die Dienste des dauerhaften
Produktionsmittels vollständig auszunutzen. Diese Fähigkeit ist im
Großbetrieb regelmäßig größer als im Kleinbetrieb, die Kleinbetriebe
vermögen aber durch genossenschaftliches Zusammenwirken die Ausnutzungsquote
zu verbessern. Die Fortschritte des Großbetriebs und
des Genossenschaftswesens bedeuten also eine verstärkte Anwendung
von dauerhaften Produktionsmitteln und somit auch eine Verstärkte
Nachfrage nach Kapitaldisposition.