Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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gegebene Werk „Hollands Rijkdom“ sah die Quellen dieses Reich- 
tums nur im Handel und in der Schiffahrt. 
Doch drückte auf den niederländischen Bauern nicht nur der 
Mangel an Interesse, den seine Lage bei der Obrigkeit fand; nicht 
nur die geringe Achtung, auf die sein harter Beruf bei Schriftstellern 
und Politikern stieß. Diese Männer befanden sich meist unter dem 
vollen Eindruck der großartigen kolonialen und kommerziellen 
Machtentfaltung der Republik und schätzten den Landbau nur 
nach seinem allerdings recht bescheidenen Ertrage. Auch wurde 
das Urteil über ihn naturgemäß beeinflußt durch das Übergewicht, 
das die Städte in den Niederlanden seit langer Zeit über das platte 
Land besaßen und das als eine ganz natürliche Sache betrachtet 
wurde; die Frage der Handelsfreiheit beherrschte diese Städte und 
drängte sich überall auch bei der Beurteilung landwirtschaftlicher 
Angelegenheiten in den Vordergrund. 
Diese Nichtachtung wäre den Bauern nun wahr- 
scheinlich ziemlich gleichgültig gewesen, wenn sie sich nicht auch 
in positiven Maßregeln ausgedrückt hätte. D je städtische 
Gewerbepolitik war, wie bereits oben dargelegt wurde, 
dem platten Lande durchaus feindlich, ge- 
sinnt: sie hinderte jede Ausbreitung des städtischen Gewerbes 
auf dem Lande und wurde hierin von der Obrigkeit kräftig unter- 
stützt; unter Karl V. und später noch zur Zeit der Republik 
sahen sich die Dörfer in dieser Hinsicht den Städten völlig preis- 
gegeben; nicht nur, daß man den Landleuten verbot, gewisse Ge- 
werbe zu betreiben, man untersagte ihnen auch den Ver- 
kauf ihrer Butter, ihres Kornes und Holzes"). 
Freilich blieb das platte Land diesem Drucke gegenüber nicht immer 
passiv; wir sehen das an den teilweise erfolgreichen Bemühungen, 
städtische Gewerbe, so die Brauerei, auf das Land zu verpflanzen. 
Von den Staaten von Holland wurden 1668 infolge der Beschwerden 
der Dörfer diesen einige Erleichterungen in der Ausübung von 
Gewerben bewilligt. Dieses Verhältnis galt aber nur für Holland, 
wo die persönliche Freiheit der Bauern bestand; im Osten, in Over- 
yssel, Gelderland, Brabant, waren die Bauern nicht frei, sondern 
vielerlei persönlichen Lasten unterworfen?); der Druc k, der 
l) Blink, Geschiedenis, II, 197 f.; vgl. unten in 8 4. 
2) Blink, a, a. O., S. 199; 
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte.
	        
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