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Die Weltwirtschaft.
besteht nicht mehr jener Anreiz für die Ausdehnung der Produktion in fernen Gebieten, den
die hohen Preise der 60 er und 70 er Jahre boten; eine sprunghafte Ausdehnung
der Erzeugung, wie sie in früheren Jahren stattfand, setzt einen starken Anreiz voraus;
außerdem sind in den meisten Ländern die günstigsten Gebiete schon unter dem Pfluge,
auf ungünstige aber kann man nur greifen, wenn ein erhöhter Bedarf erhöhte Preise
bringt, welche die größeren Produktionskosten decken. Selbstverständlich kommen dann
diese höheren Preise auch unserer heimischen Landwirtschaft zu gute. Endlich wirken
die Bahnen in den Exportstaaten bei dem Weiterausbau ihrer Nebenlinien nicht mehr
ausschließlich wie bisher als Saugadern für den Weltverkehr, sondern auch als Ver
teilungskanäle im eigenen Lande, um so mehr als in den wichtigsten Exportländern, in
Nordamerika und Rußland, die Bevölkerung und dementsprechend der heimische Ver
brauch in starkem Steigen begriffen ist. Nichtsdestoweniger wird man sagen müssen,
daß die Zukunft der europäischen Landwirtschaft mehr im Kleinbetriebe, in der Vieh
wirtschaft, im Anbau von Gemüsen, Hackfrüchten. Wein und Handelsgewächsen, und in
der Produktion von Rohstoffen für die landwirtschaftlichen Nebengewerbe, wie Brauerei,
Brennerei und Zuckerfabrikation liegt, als im Großbetrieb und im Getreidebau.
Anbau von Wein nnd Handelsgewächsen.
Wein. Im Gegensatze zu den übrigen Zweigen der Landwirtschaft überragt der
europäische Weinbau heute noch den der überseeischen Länder an Güte und Menge der
Erzeugung, da er die intensivste Bewirtschaftung des Bodens voraussetzt, wie sie nur in
Ländern mit alter Kultur und dichter Bevölkerung möglich ist.
In Europa selbst stehen die Länder Süd- und Südwesteuropas obenan, ihnen zu
nächst Deutschland (im Rheingebiet), Österreich (Südtirol, Steiermark, Niederösterreich),
Ungarn und die Balkanländer. In Griechenland werden die Trauben großenteils nicht
zu Wein, sondern zu Korinthen verarbeitet, die einen Hauptausfuhrartikel des Landes
bilden. In neuerer Zeit hat auch im Süden von Rußland (Krim) der Weinbau Be
deutung gewonnen, ebenso in Algier und Tunis, wohin er von Frankreich verpflanzt
wurde. Von überseeischen Ländern sind Nordamerika, Argentinien, Chile und das Kap
land als Weinproduzenten zu nennen.
Die Weinernte ergab im Jahre 1897 folgenden Ertrag (in Millionen hl):
Frankreich
. . . 32,350
Bulgarien
1,090
Italien
Serbien
0,920
Spanien
. . . 18,900
Rumänien
3,200
Portugal . ...
. . . 2,600
Türkei und Chpern....
1,800
Deutsches gleich . . .
. . 2,100
Algier und Tunis ....
4,457
Österreich
Vereinigte Staaten....
1,147
Ungarn
. . . 1,200
. . . 1,250
Argentinien
1,440
Schweiz
Chile
2,800
Rußland
. . . 2,500
Kapland
0,195
Griechenland ....
. . . 1,200
Azoren, Madeira, Kauarien .
0,250
Handelspflanzen. Außer dem Weinbau hat auch der Anbau von Handels
gewächsen gerade bei den gegenwärtigen Verhältnissen der europäischen Landwirtschaft
erhöhte Bedeutung gewonnen. Hierher gehört der Anbau von Hopfen, Färbepflanzen,
Karden, Flachs, Lein, Tabak. Verwertbare Angaben liegen nur für die drei letzteren
vor. Über den Flachs- und Hanfbau werden nähere Angaben in dem Abschnitt über
die „Industrie und deren Rohstoffe" mitgeteilt. Hier sei nur die Erzeugung und der
Verbrauch des Tabaks einer näheren Besprechung unterzogen.
Seine Gesamterzeugung, soweit sie im Welthandel zum Vorscheine kommt, wird auf
7 bis 8 Millionen Meterzentner geschätzt; davon kommen auf die europäischen Ernten
etwa 2, auf die außereuropäischen 5 bis 6 Millionen. In Europa wird der Tabakbau
am umfangreichsten in Ungarn und Rußland betrieben, auf die zusammen mehr als
die Hälfte der europäischen Ernte entfällt. Das Deutsche Reich bringt 30 bis 40, Frank
reich 20 bis 25 Millionen kg jährlich hervor. Von hervorragender Bedeutung ist der