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Die Weltwirtschaft.
Jedenfalls hat die bestehende Agrarverfassung in England die Anpassung an die neuen
Verhältnisse wesentlich erleichtert, hauptsächlich wohl deshalb, weil die Entwertung des
Grundbesitzes, die infolge der ausschließlich von industriellen Gesichtspunkten geleiteten
Handelspolitik Englands und der bewußten Preisgebung der landwirtschaftlichen Interessen
zu gunsten billiger Ernährung der industriellen Bevölkerung eingetreten war, nicht von
kleinen, an der Industrie nicht interessierten Grundbesitzern getragen werden mußte,
sondern auf die Schultern weniger Großgrundbesitzer übergewälzt wurde, die selbst wieder
mit der Industrie verknüpft sind, während der den Bauernstand des Festlandes vertretende
kleine Pächter sich durch die Herabminderung der Pachtprcise schadlos hielt.
Anders auf dem Festlande. Hier, namentlich in Deutschland, bildet der Pacht
besitz die Ausnahme. Über 83% der gesamten bewirtschafteten Grundfläche stehen in
Eigenwirtschaft. Dabei herrscht im allgemeinen der bäuerliche Betrieb vor, wie die nach
folgende Übersicht zeigt:
Es entfielen auf die Betriebe mit einer landwirtschaftlichen
Fläche von
weniger als
2 lia
2—20 ha
20—100 ha
100 ha
und mehr
von der Gesamtzahl der Betriebe
3 236 367
2 015 122
281 767
25 061
von der gesamten landwirtschaft-
lichen Fläche
1 808 444
13 007 859
9 869 837
7 831 801
von je 100 Betrieben
58,2
36,3
5,1
0,45
von je 100 ha landwirtschaftlicher
Fläche
5,6
40,0
30,3
24,1
Hiernach nimmt der kleine und mittlere bäuerliche Betrieb in Deutschland den be
deutendsten Raum ein, zusammen 70% der landwirtschaftlichen Fläche, während auf den
Großbetrieb kaum % entfällt. Der Zwergbetrieb in kleinen Parzellen ist nur der Zahl
der Betriebe nach stark vertreten, hat aber landwirtschaftlich keine besondere Bedeutung,
weil er kaum 6% der Gesamtfläche einnimmt. Gegenüber der Zählung von 1882 ist
der Großbetrieb eher noch zurückgegangen, da auf ihn im Jahre 1882 24,4%, im
Jahre 1895 24,1% der bewirtschafteten Fläche entfallen. Ebenso haben die Betriebe
mit 20—100 ha im Jahre 1882 31,i im Jahre 1895 30,3 % der Fläche eingenommen,
während die Kleinbetriebe mit 2—20 ha von 38,8 auf 40% gestiegen sind. Der Zwerg
betrieb unter 2 ha weist ebenfalls eine Verminderung von 5,7 auf 5,6 % auf.
Im Osten und Nordosten Deutschlands erleidet dieses Verhältnis allerdings bedeutende
Verschiebungen. Hier herrscht der Großgrundbesitz vor. So entfallen beispielsweise in
Schlesien 33. in Brandenburg 38, in Ostpreußen 39, in Westpreußen 43, in Posen 52,
in Pommern 55, in Mecklenburg sogar 60% Gesamtfläche auf die Betriebe mit mehr als
100 ha, während in West- und in Süddeutschland der bäuerliche Betrieb kleineren und
mittleren Umfanges entschieden vorherrscht und der auf den Großgrundbesitz entfallende
Anteil unter das Durchschnittsmaß sinkt.
Entsprechend der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Verhältnisse waren nun auch
die Wirkungen des Preissturzes der landwirtschaftlichen Erzeugnisse für den Osten und
Westen Deutschlands, für Großgrundbesitz und Bauernstand verschieden. Für den Groß
grundbesitz im Osten waren Getreide und Brennkartoffeln für die Spiritusbrennerei die
Haupterzcugnisse; beide hatten unter dem Preisrückgang am schwersten zu leiden. In
Mitteldeutschland und in der Provinz Sachsen wurde der Großgrundbesitz durch den
Preisrückgang des Zuckers schwer getroffen, da er hier hauptsächlich den Rübenbau pflegte.
Außerdem bedeutet die Verteuerung der Arbeitskräfte und die Abwanderung vom flachen
Lande nach den Jndustrieorten und in die Städte in erster Linie für die großen Güter
eine Erschwerung und Verteuerung ihres Wirtschaftsbetriebes, der kleine und mittlere
Grundbesitzer war weniger davon betroffen, weil er einen großen Teil der in der Wirt
schaft notwendigen Arbeit selbst und durch Familienangehörige bestreitet.