1230 ‚ VIL Abfehnitt: Einzelne Scehuldverhältniffe.
2, Begriff uud rechtliche Natur des Berwahrungsvertrags; Sprachgebrauch; dispolitive
Natur der Borjhriften.
a) BerwahrungSvertrag It der Berirag, inhaltlih deffen jemand (der „Berwahrer“)
ji vDerpflidhtet, eine ihm don einem anderen (dem „GHinterleger“)
übergebene bewegliche Sache aufzubewahren (S 688 und Bem, 2
hiezu). Dur den VerwahrungSvertrag wird grundfäßligH zunächt Nur der
Berwahrer verpflichtet, wenn aud die Entjtehung verfchiedener VBerpfligtungen
in der Berfon de8 GHinterleger2 möglich ft (SS 693, 694, 699). Der Ver“
mahrungsbertrag {ft daher begriffsmäßig kein gegenfeitiger Vertrag im Sinne
der 88 320—327, {ondern ein jog. undollfommen zmweifeitiger Ber“
trag (f. Bem. 1 zu 8 320). Hit allerdingS eine Vergütung für die Ber
wahrung vereinbart (j. Bem. 2, e zu $ 688), fo kann ein gegenieitiger Vertrag
von den Karteien gewollt fein, doch Yt dies nicht unbedingt erforderlid) und
insbejondere dann nicht anzunehmen, wenn die Vergütung nur eine Ent:
idäbigung für die Aufwendungen des BermwahrerS bildet (IM. II, 582, %. II, 393;
ogl. über dieje Frage Pland Borbem. II, Endemann I 8 185 Ziff. 1, Kuhlenbef
Note 1 zu S 689, Enofad IS. 639 ff., Dertmann Borbem, 3 und 4, Fifcger-Henle
Note 3 zu & 689, Urt. d. OLG. Karlsruhe vom 14. Mat 1901 Ripr. d. OLG.
Bd. 3 S. 43 ff.; f. aud Bem. 2 zu 8 699).
Der Verwahrungsvertrag it Real-, nidt Konfenjualtontrakt,
. Bem. 2, A zu 8 688; über das dem Verwahrungsbvertrage möglicherweife
sorhergehende pactum de deponendo f. ebenda.
») Un Stelle de8 in den Entwürfen I—IIK gebrauchten AnuZdrucke8 „Hinter:
iegungsbertrag“ wurde von der KeichStagStomm. der Ausdrud „Ber“
mahHrung“ gewählt, weil diejer Ausdruck dem Spradgebrauce des Lehen?
beffer gerecht werde und eher als „HinterlegungsSvertrag“ auf allgemeines Ber-
ftändnis rechnen dürfe (KTK, 90; vgl. PUR. Il. I Tit. 14 Abidhn. 1: „vom
Berwahrungsvertrage“; BLR. IL IV cap. Z 87 {priht wie da3 gemeine Recht
von „depositum“. MNeber andere Rechte f. M. II, 569 Note 1).
Die Borfchriften diefe8 Titel8 find im allgemeinen di3pofjittiver Natur und
daher der Abänderung durch Bereinbarung zugänglich f. aber Bem, 4 zu $ 696).
Bei der praktijh wichtigijten Form des Berwahrungsvertrags, dem Bankdepojiten-
gejchäft (f. unten Ziff. 8, e), wie au bei der gewerbamäßigen Aufbewahrung
von Möbeln u. dgl. wird die auZdrüdlihe Vereinbarung regelmäßig dur
formularmäßig firierte „Bedingungen“ erfeßt.
3, Bei einer Mehrheit von Hinterlegern oder Berwahrern finden die allgemeinen
Beftimmungen der 88 420 ff. Anwendung (M. II, 580; vgl. WindfHeid-LXipp, Pand. Bd. 2
3. 221 Anm. 15, b, S. 229 Anm. 4, PUR. ZT. I Tit. 14 88 59 f., Kreittmayr, Anm. 3.
BER. Il. IV cap. 2 8 734. 8, 10).
4, Die Haftung des BerwahrerS bemikt {ih im allgemeinen nad) SS 276 ff. Er hat
al[o, Jofern nicht ein Andere8 beftimmt {ft, Borfag und FahHrläffigkeit zu vertreten (M. II, 571 f.);
über die Anwendbarkeit de3 8 254 auf die Haftung des VerwahrersS {. Bem. 3, c, « zu 3 688.
Eine Befhränkung feiner Haftung auf die fog. diligentia quam in suis tritt hei unent-
geltliger Nebernahme der Wuflbewahrung ein (8 690). Sondervorjchriften über die Haftung
de8 Vermahrer3 hei Subftitution und Beiziehung eineS Gehiljen enthält $ 691 Sag 2 und 3.
Neber die Haftung des Hinterleger3 j. 8 694 und Bem. Hiezu. (Mad) gemeinem
Rechte Haftet der Debofitar nur für dolus und culpa lata, Hat er fih aber zur Nebernahme
des Depofitum8 erboten, fo haftet er fir jedes Berjhulden, bet Unterfhlagung und Verzug
jogar für Bufall, {. Dernburg, Rand. Bd. 2892 Ziff. 1, c, S$ 37 Ziff. 2, WindfgHeid-Kipp,
Rand. Bd. 2 S. 608 ff; vgl. PLR. TI. I Tit. 1 88 11, 12, 17—19, BLN. Il. IV, cap. 2
S 7 Biff. 6—8; über andere Rechte f. M. II, 572 Note 1.)