Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 12. Die Regulierung der Produktion, Prinzip der Knappheit. 83 
In der gleichmäßig fortschreitenden Tauschwirtschaft dagegen wird 
nur ein Teil, und zwar ein konstanter Bruchteil, des durch die Preise 
der Produktionsmittel bestimmten Einkommens zum Kauf der fertigen 
Güter verwendet. Dieser Teil ist aber gleich dem Wert der in der 
Einkommensperiode produzierten fertigen Güter. Daß der Gesamt- 
wert der Produktionsmittel hier größer sein muß als der Gesamtwert 
der fertigen Güter, ist ganz natürlich. Denn die Zufuhr von Produk- 
tionsmitteln in der Periode ist für eine Produktion von fertigen Gütern 
berechnet, welche sich von der Gegenwart weit in die Zukunft hinein 
erstreckt und welche deshalb in der fortschreitenden Wirtschaft die 
gegenwärtige notwendig übersteigt./ Diese Zufuhr von Produktions- 
mitteln wird deshalb bei konstanten Preisen einen höheren Wert reprä- 
sentieren als die Menge der in derselben Periode fertiggestellten Güter. 
Der Rest des durch die Preise der Produktionsmittel bestimmten Ein- 
kommens dient, wie gesagt, zur Bezahlung der Vermehrung des Real- 
kapitals. Die Geldsumme, welche in der Einheitsperiode zum Kauf von 
fertigen Gütern dient, wächst gleichmäßig, und zwar mit demselben 
Prozentsatz, der den Fortschritt der Tauschwirtschaft überhaupt charak- 
terisiert. Dasselbe gilt natürlich auch von der Geldsumme, welche die 
Vermehrung des Realkapitals kauft. Wenn die Voraussetzungen, welche 
das Sparen bestimmen, gegeben sind, ist auch der Prozentsatz des 
Fortschritts und damit die ganze Gleichgewichtslage der gleichmäßig 
fortschreitenden Wirtschaft bestimmt. Die nähere Diskussion dieser 
Seite des Problems kann aber erst in 8 26 aufgenommen werden. 
In vorstehendem haben wir die ganze Preisbildung und also speziell 
auch die Einkommensbildung unter der vorläufigen Voraussetzung 
hergeleitet, daß der in Geld ausgedrückte Gesamtumfang jeder indivi- 
duellen Nachfrage gegeben ist. In diesem Verfahren liegt nicht, wie 
man vielleicht zu glauben geneigt wäre, ein logischer Fehler. Im wirk- 
lichen Wirtschaftsleben hängen eben alle die unbekannten Faktoren 
des Preisbildungsprozesses voneinander gegenseitig ab und werden 
erst durch die Lösung des Preisbildungsproblems, und zwar dann 
gleichzeitig bestimmt. Die Nachfrage und das Einkommen der Einzel- 
wirtschaften sind notwendig von den Preisen der Produktionsmittel 
abhängig und können also erst im Zusammenhang mit diesen durch 
den großen einheitlichen Preisbildungsprozeß bestimmt werden. Dies 
hindert natürlich nicht, daß man sich vorläufig die Preise der Produk- 
tionsmittel und somit auch das Einkommen und die in Geld ausge- 
drückte Gesamtnachfrage des einzelnen als gegeben vorstellen und 
untersuchen kann, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit 
bei dieser Preislage die Nachfrage nach fertigen Gütern durch die 
Produktion gedeckt wird. 
Ein solcher Weg ist durch die Natur der Dinge allen unseren Unter- 
suchungen über den allgemeinen Preisbildungsprozeß vorgeschrieben. 
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