Full text: Theoretische Sozialökonomie

92 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
nisch möglich sind, aber verschiedene Produktionskosten verursachen. 
Wenn bei allen in Frage kommenden Preisen der Produktionsmittel eine 
Methode ohne jeden Zweifel die billigste ist, muß diese natürlich vor- 
gezogen werden. Denn jeder andere Weg würde für das betreffende 
Bedürfnis Produktionsmittel in Anspruch nehmen, die für Befriedigung 
anderer Bedürfnisse höher geschätzt werden, was gegen das wirtschaft- 
liche Prinzip verstoßen würde. Die Produktionskosten sind dann nicht 
länger unbestimmt. Ist aber die Lage in einem Produktionszweig die, 
daß die Frage, welches die billigste Produktionsmethode ist, nicht von 
vornherein beantwortet werden kann, sondern eben von den Preisen der 
Produktionsmittel abhängt, d. h. von den aktuellen Variationen dieser 
Preise beeinflußt wird, dann ist die Wahl der Produktionsmethode nicht 
unabhängig von den Preisen der Produktionsmittel, und es ist somit 
eine gewisse Unbestimmtheit im Preisbildungsproblem vorhanden. Die 
Forderung, daß die billigste Produktionsmethode gewählt werden soll, 
bekommt dann aktuelle Bedeutung für die Preisbildung, stellt eine neue 
Bedingung der Preisbildung dar, die eben die Unbestimmtheit des Pro- 
blems ausgleicht. Diese Bedingung werden wir als das „Substitu- 
tionsprinzip‘“ bezeichnen und als drittes supplementäres Prinzip 
der Preisbildung aufstellen. Das Substitutionsprinzip sagt also, daß 
wenn eine Produktionsmethode für eine andere ohne Veränderung im 
Produktionsergebnis substituiert werden kann, diejenige Methode ge- 
wählt werden soll, die bei der gegebenen Preislage der Produktionsmittel 
die billigste ist. 
Das Ersetzen einer Produktionsmethode durch eine andere braucht 
nicht notwendig eine vollständige Umlegung der Produktion zu be- 
deuten, sondern besteht oft nur im Austausch einer gewissen Menge 
eines Produktionsmittels gegen eine gewisse Menge eines anderen. 
Wenn eine Menge eines Produktionsmittels oder einer Gruppe von 
Produktionsmitteln in dieser Weise ohne Veränderung des Produktions- 
ergebnisses gegen eine andere ausgetauscht werden kann, bezeichnen 
wir diese Mengen als gegenseitig im betreffenden Produktionsirozeß 
substituierbar. Das Substitutionsprinzip erfordert, daß von Ssub- 
stituierbaren Mengen verschiedener Produktionsmittel oder Gruppen 
von Produktionsmitteln diejenigen gewählt werden, die bei der ge- 
gebenen Preislage die billigsten sind. 
Als Beispiel einer solchen Substitution einer Gruppe von Produk- 
tionsmitteln gegen eine andere kann man das Ersetzen des Dampf- 
maschinenbetriebs einer Fabrik durch vollständigen elektrischen Be- 
trieb, als Beispiel einer beschränkteren Substitution die Einführung 
einer Setzmaschine in einer Druckerei, wo früher nur. das Handsetzen 
vorkam, nennen. 
Wenn nur eine bestimmte Anzahl individuell distinkter Produktions- 
methoden in Frage kommen, kann man, sobald die Preise der Produk-
	        
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