Full text: Theoretische Sozialökonomie

94 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
jetzt die letzten substituierbaren Mengen denselben Preis haben und also 
die Substitution indifferent ist. Die Lage des Substitutionspunktes ist 
also vom Verhältnis der Preise der Produktionsmittel untereinander ab- 
hängig. Wenn das Preisverhältnis in dieser Weise für jeden einzelnen 
Betrieb den Substitutionspunkt bestimmt, sind offenbar durch dasselbe 
für die gesamte Gesellschaft die zu verwendenden Mengen der beiden 
Produktionsmittel im Verhältnis zueinander bestimmt. 
Stellen wir uns jetzt vor, daß in einem Betriebe mit nur zwei Pro- 
duktionsmitteln (oder Gruppen von Produktionsmitteln), die einander 
kontinuierlich verdrängen können, das eine in unveränderter Menge bei- 
behalten wird, während man die Menge des anderen Schritt für Schritt 
vermehrt. Wir denken uns, daß diese Vermehrung in gleichen Dosen 
stattfindet und ferner, daß alle Preise konstant bleiben. Dann hat jede 
solche Dose denselben Preis. Wir können dann auch die Dose so wählen, 
daß dieser Preis gleich eins wird. Denjenigen Zuschuß zum Produk- 
tionsresultat, der der letzten so hinzugefügten Dose entspricht, nennen 
wir die „Grenzproduktivität‘ des beweglichen Produktionsmittels. 
Wenn die günstigste Zusammenstellung der beiden Produktionsmittel 
erreicht ist, wird offenbar eine Vermehrung des beweglichen Pro- 
duktionsmittels um eine Dose dem Produktionsresultat einen Zuschuß 
geben, der denselben Preis wie diese Dose des Produktionsmittels hat. 
Mit anderen Worten, jede Mark, die auf das betreffende Produktions- 
mittel geopfert wird, wird in. einer Erhöhung des Produktwertes um 
eine Mark wiedergefunden. Man drückt diesen Satz so aus, daß der 
Preis des Produktionsfaktors gleich seiner Grenzproduktivität ist. 
Wie gewisse Theoretiker die Preisbildungs- oder „Werttheorie‘““ auf 
den Begriff des Grenznutzens haben aufbauen wollen ($ 11), so hat 
man auch die Grenzproduktivität als Bestimmungsgrund des Preises 
ausgegeben. Der prinzipielle Fehler ist in beiden Fällen derselbe. Die 
Grenzproduktivität ist kein gegebener Faktor des Preisbildungs- 
problems, denn die relativen Mengen der verschiedenen Produktions- 
mittel, die nach dem Substitutionsprinzip verwendet werden sollen, 
können erst im Zusammenhang mit den Preisen derselben bestimmt 
werden. Grenzproduktivität und Preis sind in der Tat zwei vollständig 
gleichgestellte Unbekannte des Preisbildungsproblems, und es ist dem- 
gemäß unmöglich, die eine als Bestimmungsgrund der anderen aus- 
zugeben. Außerdem ist zu beachten, daß die Grenzproduktivität nur in 
den Fällen einer kontinuierlichen Substitution im hier angegebenen 
Sinne streng definiert werden kann. 
Wenn der Betrieb von dem beweglichen Produktionsmittel weniger 
verwendet, als das Substitutionsprinzip bei der gegebenen Preislage er- 
fordern würde, wird jede weitere Mark, die auf dieses Produktionsmittel 
verwendet wird, auch eine Verbesserung der Ökonomie des Betriebes 
bewirken und somit eine Steigerung des Produktwertes um mehr als eine
	        
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