Full text: Theoretische Sozialökonomie

96 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
In’ allen solchen Fällen sind wohl die Gesamtkosten der verbundenen 
Produkte bestimmt, es bleibt aber unbestimmt, wieviel von diesen 
Kosten auf das eine oder andere Produkt gelegt werden soll. Wir stoßen 
also hier wieder auf einen Punkt, wo die Preisbildung unbestimmt ist, 
wo also ein supplementäres Preisbildungsprinzip erforderlich ist, um 
diese Unbestimmtheit aufzuheben. 
Wieviel das eine oder andere mehrerer in dem hier angegebenen 
Sinne verbundenen Produkte ‚wirklich kostet‘‘, läßt sich einfach nicht 
sagen. Jeder Versuch, diese Frage zu beantworten, ist nur vergebliche 
Mühe. Das einzige, was wir tun können, ist ein Prinzip für die Preis- 
bildung solcher verbundenen Produkte zu finden. Die Lösung dieser 
Frage ist nicht schwierig, liegt eigentlich schon im Prinzip der Knapp- 
heit. Wir brauchen uns nur zunächst zu denken, daß der Produktions- 
prozeß mit den verbundenen Produkten beginnt, daß diese als 
primäre Produktionsmittel zu betrachten sind, die in bestimmten 
Mengen zur Verfügung stehen. Dann müssen nach dem Prinzip der 
Knappheit auf diese Produkte Preise gesetzt werden, die genau so hoch 
sind, wie es nötig ist, um die Nachfrage nach denselben in Überein- 
stimmung mit den zur Verfügung stehenden Mengen zu bringen. Es 
müssen mit anderen Worten die Preise der verbundenen Produkte so 
geregelt werden, daß ein vollständiger Absatz jedes dieser Produkte 
gewonnen wird. Die Mengen der verbundenen Produkte stehen nach 
unserer Voraussetzung in festen Verhältnissen zueinander. Es läßt sich 
folglich ihre Gesamtmenge als eine einheitliche arithmetische Größe 
definieren. Diese Gesamtmenge bestimmt andrerseits eindeutig die 
Mengen sämtlicher verbundener Produkte. Sobald diese Gesamtmenge 
bekannt ist, kann man also mit Hilfe der angegebenen Bedingung die 
sämtlichen Preise der verbundenen Produkte und folglich den Verkaufs- 
preis des Gesamtprodukts berechnen. Es besteht also eine bestimmte 
Relation zwischen dem Preis des Gesamtprodukts und der Menge dieses 
Produkts, die zu diesem Preis verkauft werden kann. Wir können dann 
nunmehr die Gesamtheit der verbundenen Produkte als das Schluß- 
ergebnis eines Produktionsprozesses, der mit den wirklich primären 
Produktionsmitteln beginnt, betrachten. Die Nachfrage dieses Schluß- 
produkts ist gegeben, sobald sein Preis bestimmt ist. Dieses Produkt 
nimmt also im Preisbildungsprozeß dieselbe Stellung wie jedes andere 
Produkt ein und die Preisbildung ist nunmehr in gewöhnlicher Weise 
durch das Prinzip der Knappheit bestimmt. 
Wir können die jetzt angegebene Methode für die Preisbestimmung 
verbundener Produkte als das Prinzip der Preisbildung verbun- 
dener Produkte bezeichnen. Wie man findet, ist dieses vierte 
supplementäre Prinzip der Preisbildung nur eine direkte Anwendung 
des Prinzips der Knappheit und hat somit dieselbe allgemeine Gültig- 
keit wie dieses. Es kann am einfachsten so formuliert werden, daß
	        
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