$ 14. Die Organisation der modernen Tauschwirtschaft, U
unserer bestehenden Tauschwirtschaft von den etwa vorhandenen Ab-
weichungen vom Kostenprinzip abstrahieren. Damit ist natürlich nicht
die Möglichkeit solcher Abweichungen übersehen, nur ist die Fest-
stellung derselben und deren störende Einwirkung Spezialuntersuchungen
vorbehalten. Wir verfahren dabei, kurz gesagt, wie die Astronomen,
die die Bewegung eines Planeten zunächst so beschreiben, als ob sie von
den anderen Planeten nicht beeinflußt wäre, und so zum Keplerschen
System gelangen, dann aber die Störungen, die die übrigen Planeten
ausüben, besonders in Betracht ziehen. Um einen solchen Weg ein-
schlagen zu können, muß man sich nur überzeugt haben, daß die erste
Bewegung auch die wesentliche darstellt.
Die Organisation der heutigen Tauschwirtschaft soll also darauf
geprüft werden, in welchem Maße sie die Forderungen des Kosten-
prinzips erfüllt. Wir werden dabei die Mittel, deren sich unsere
Tauschwirtschaft zur Verwirklichung dieses Prinzips bedient, kennen
lernen. Wir werden finden, daß sie sehr verschiedener Natur sind und
in der Praxis, sowie in den politischen Anschauungen stark wechseln.
Sie können deshalb wohl den gegenwärtigen Zustand der Tauschwirt-
schaft charakterisieren, entbehren aber der Wesentlichkeit, die von den
Grundlagen einer allgemeinen Theorie der Tauschwirtschaft gefordert
werden muß.
Als die Tauschwirtschaft noch jung war, im Zeitalter des Merkanti-
lismus, galt es als eine selbstverständliche Sache, daß sie einer einheit-
lichen Leitung bedürfte, die dann natürlich nur vom Staate bzw. von
den Städten ausgeübt werden konnte. Die Verteilung der mensch-
lichen Arbeitskräfte auf verschiedene Berufe und verschiedene Plätze
wurde durch das Zunitwesen und auch sonst durch die Gesetzgebung
reguliert. Auch für die übrigen Produktivkräfte wurde die Verteilung
von oben geplant und überwacht. So z. B. wurde die in dieser Zeit
sehr bedeutende Eisenindustrie Schwedens derart in den verschiedenen
Landesteilen lokalisiert, daß für jeden Betrieb genügendes Brennmaterial
in den umgebenden Wäldern und genügende Mengen von Eisenerz
oder, mit Bezug auf Veredlungswerke, von Roheisen immer vorhanden
sein würden, also eine Verteilung der zur Verfügung stehenden Pro-
duktionsmittel in dem Maße durchgeführt, in welchem sie besonders
mit Rücksicht auf den damaligen Stand des Transportwesens notwendig
erscheinen mußte. Durch tausende verschiedene Maßregeln sorgte der
merkantilistische Staat für den Absatz der produzierten Waren, aber
auch der wohlregulierten Versorgung der Konsumenten nahm er sich
an, vollends, wenn es die wichtigste aller Waren, das Getreide, galt.
Nur durch ein sehr ausgebildetes System solcher regulierenden Maß-
nahmen glaubten die Merkantilisten eine arbeitsteilige, berufsmäßige
von Privatunternehmungen betriebene Produktion in richtige Bahnen
lenken, die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit zusammenhalten und zu
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