$ 14. Die Organisation der modernen Tauschwirtschaft. 111
Verbände und einzelne Unternehmer, die zu einer monopolistischen
Stellung gelangt sind, dieselbe zu einer Preisbildung auszunutzen, die
ihnen einen abnorm hohen Gewinn gibt. Solche Bestrebungen pflegen
jedoch meistens starke Gegenwirkungen zu erwecken, sei es in Form
einer Konkurrenz innerhalb desselben Berufes oder eines Berufes, der
dasselbe Bedürfnis in anderer Weise befriedigt, sei es in Form besonderer
Schutzmaßregeln der Gesellschaft auf dem Gebiete der Gesetzgebung,
der Verkehrspolitik, besonders der Eisenbahntarife, der Zollpolitik
usw. Diese Gegenwirkungen zeigen aber, daß eine Preisbildung
nach dem Kostenprinzip eben als das normale zu betrachten ist und auch
allgemein betrachtet wird. In ähnlicher Weise sind die Organisationsbestrebungen
der Arbeiter wesentlich auf das zwingende Bedürfnis des
schutzes gegen einen mit richtigen Preisbildungsprinzipien unvereinbaren
Druck auf die Löhne zurückzuführen und stoßen Versuche dieser
Organisationen zu einem Hinaufschrauben der Löhne über das durch eine
normale Preisbildung bestimmte Niveau hinaus auf kräftigen Widerstand.
Durch Feststellung von Maximaltarifen bei Erteilung von Konzessionen
auf Eisenbahnen, Elektrizitätswerke, Gaswerke usw., durch
Herbeiziehen von Konkurrenz durch dazu geeignete Maßregeln, z. B.
auf dem Gebiete des Verkehrswesens, durch Organisation von Märkten
usw. streben die öffentlichen Körperschaften die Preisbildung möglichst
in Übereinstimmung mit dem Kostenprinzip zu halten. Auch die Kooperation
der Konsumenten, die auf ihrem Gebiet möglichst direkte
Verbindungen zwischen Konsumenten und Produzenten zu schaffen
estrebt ist, arbeitet für die Verwirklichung des Kostenprinzips. Die
eschäftswelt erkennt ebenfalls das Kostenprinzip als normierend an,
/as u. a. in der allgemeinen Forderung zutage tritt, daß Unternehmen,
die’ dauernd unvermögend sind, ihre wirklichen Produktionskosten zu
ecken, durch geeignfte Abschreibungen auf ihr Kapital dazu instand
esetzt werden sollen, eine Forderung, die übrigens nur eine Konseuenz
der in Übereinstimmung mit dem Prinzip der Knappheit stehenen
allgemeinen Regel darstellt, nach welcher die einmal vorhandenen
auerhaften Güter lediglich nach ihrem Ertrag bewertet werden (vgl.
823). A
_ Obwohl also bei der großen Beweglichkeit des modernen ( eschäftslebens
eine Preisbildung in genauer Übereinstimmung mit dem Kostenrinzip
niemals vollständig durchgeführt werden kann, bezeichnet jedoch
jese Preisbildung im großen die Gleichgewichtslage, um welche die tatsächlichen
Preise schwanken, und wird auch allgemein als der Normalzustand
der Tauschwirtschaft aufgefaßt und prinzipiell als wünschenswert
anerkannt. Wenn wir ein erstes zusammenfassendes Bild unserer
estehenden Tauschwirtschaft, das uns die wesentlichen Züge derselben
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eigt, gewinnen wollen, sind wir unter solchen Umständen offenbar
arauf angewiesen, eine Preisbildung auf Grund des Kostenprinzips,