Full text : Theoretische Sozialökonomie

$ 16. Prinzip der Knappheit. 7
Wissenschaft auch Probleme, die einen tieferen Einblick in den Mechanismus
 der Preisbildung erfordern. Es handelt sich dabei vornehmlich
einerseits um die viel umstrittene Natur des Ursachenzusammenhanges
der Preisbildung, andererseits um eine für die später zu behandelnde
Geldtheorie wesentliche Frage, nämlich den Grad der Bestimmtheit des
Preisbildungsproblems. Um den Mechanismus der Preisbildung klarzumachen,
 muß man den inneren Zusammenhang des Preisbildungsprozesses
 in mathematischer Form darstellen. Dies ist nicht so zu verstehen,
als ob es nötig wäre, die Schilderung des Preisbildungsprozesses in
schwierigen, außerhalb der Gemeinbildung fallenden mathematischen
Berechnungen einzukleiden. Die Wesentlichkeiten des Mechanismus der
Preisbildung sind schon für eine allgemeine Kenntnis der Gleichungssysteme
 mit mehreren Unbekannten erreichbar. Was in den beiden
ersten Paragraphen dieses Kapitels von mathematischen Darstellungen
vorkommt, braucht deshalb niemand vom Lesen abzuhalten. Indessen
ist das ganze Werk so aufgestellt, daß die genannten Paragraphen
auch übergangen werden können, ohne daß dadurch der Zusammenhang
 verloren geht. Nur muß sich der Leser dann einen tieferen inf
blick in die eben bezeichneten Fragen versagen,
In Übereinstimmung mit den Ergebnissen des vorigen Kapitels
haben wir hier eine geschlossene Tauschwirtschaft zu betrachten, in
welcher die Preisbildung vom Prinzip der Knappheit und den dazu gefügten
 supplementären Prinzipien vollständig beherrscht wird. Wie ein
solcher Zustand erreicht wird, ist für unsere vorliegende Untersuchung
gleichgültig. Wir wissen, daß eine solche Preisbildung in sehr verschieden
 organisierten Tauschwirtschaften durchgeführt werden kann,
und besonders daß unsere bestehende Tauschwirtschaft dieselbe unter
Anwendung sehr ungleichartiger Mittel annähernd verwirklicht. In
diesem Paragraphen wollen wir zunächst annehmen, daß mit Bezug auf
die Produktionskosten keine Unbestimmtheit der in 8 13 berührten Art
vorliegt, daß also das Prinzip der Knappheit genügt, um die Preisbildung
 vollständig zu bestimmen‘).
Anfänglich wollen wir den einfachen, dem 8 11 entsprechenden
Fall betrachten, daß der Einfluß der Produktion nicht in Frage kommt,
daß also die Mengen der in einer bestimmten Periode den Konsumenten
zur Verfügung stehenden Güter gegeben sind, eine Voraussetzung, die
damit gleichbedeutend ist, daß die Produktion unveränderlich und
ein- für allemal festgelegt ist. Diese Mengen werden wir das Angebot
der betreffenden Güter nennen und mit A,, A,... A, bezeichnen, wo
n die Zahl der betreffenden Güterarten ist.
Die Konsumenten stellen wir uns als andere Personen als die Produzenten
 vor. Wenn ein Produzent einen Teil seiner Produktion selbst
') Vgl. zum folgenden: Cassel: Grundriß einer elementaren Preislehre. Zeitschrift
 für die gesamte Staatswissenschaft 1899,

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