Full text: Theoretische Sozialökonomie

1274 Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
Bestimmungsgründe der Preise sind die verschiedenen gegebenen Ko- 
effizienten unserer Gleichungen. Diese Koeffizienten können in zwei 
Hauptgruppen eingeteilt werden, die wir als die objektiven und die sub- 
jektiven Bestimmungsgründe der Preise bezeichnen können. Die objek- 
tiven Bestimmungsgründe sind teils die Mengen der Produktionsmittel 
(R), teils die sogenannten technischen Koeffizienten (a). Die subjektiven 
Bestimmungsgründe sind die Koeffizienten der Gleichungen (4), die die 
Abhängigkeit der Nachfrage von den Preisen darstellen. Alle diese 
Faktoren sind für die Bestimmung der Preise wesentlich. Eine „objek- 
tive‘ oder „subjektive‘‘ Wertlehre, im Sinne einer Theorie, die die 
Preise auf objektive oder subjektive Bestimmungsgründe allein zurück- 
führen will, ist deshalb Unsinn, und der ganze Streit zwischen diesen 
 Wertlehren, der in der Literatur einen so unverhältnismäßig großen 
|Platz eingenommen hat, ist nur verlorene Mühe. 
Das Gleichungssystem (7) drückt aus, daß die indirekte Nachfrage 
der fortlaufenden Konsumtion nach den verschiedenen Produktions- 
mitteln in jeder Periode durch die in derselben zur Verfügung stehenden 
Mengen dieser Produktionsmittel gedeckt sein muß, und daß die Preise 
so hoch stehen müssen, daß die Nachfrage in Übereinstimmung mit 
dieser Bedingung geregelt wird. Man kann also sagen, daß die Preise 
bestimmt werden durch die Knappheit der Produktionsmittel im Ver- 
hältnis zur indirekten Nachfrage der Konsumenten nach denselben. 
Dabei ist die Knappheit der Produktionsmittel nach unseren Voraus- 
setzungen ein gegebener Faktor des Problems. Die Nachfrage dagegen 
ist selbst eingFunktion der Preise der fertigen Güter und somit auch nach 
dem Gleichungssystem (3) eine Funktion der Preise der Produktions- 
mittel und kann also_nicht als Bestimmungsgrund_defSelben gelten: 
was auf dieser Seite als gegebener Faktor des Problems die Preise 
bestimmt, ist die Art, in welcher die Nachfragefunktionen von den 
Preisen der Produktionsmittel abhängen, also die Form dieser Funk- 
tionen oder die Gesamtheit ihrer Koeffizienten, welche die Beschaffen- 
heit der Nachfrage nach den Produktionsmitteln kennzeichnen. Wenn 
man in dieser Weise die Knappheit der Produktionsmittel und die 
Beschaffenheit der Nachfrage nach denselben als die beiden preis- 
bestimmenden Faktoren aufstellt, wird es gleich klar, daß von einem 
Vorrang des einen oder des anderen Faktors gar nicht die Rede sein 
kann. Es sind beide im absoluten Sinne des Wortes wesentliche Be- 
stimmungsgründe der Preise. 
Diese Lösung des Preisbildungsproblems ist insofern allgemein, als 
sie auch den vorher behandelten Fall, daß die Güter, die unmittelbar 
Gegenstand der Nachfrage sind, nicht beliebig reproduzierbar, sondern 
in gegebenen Mengen vorhanden sind, mit umfaßt. Solche Güter sind 
nur in unserer allgemeinen Lösung des Problems den. Produktions- 
mitteln gleichzustellen. Daß ein Gut reproduzierbar ist, bedeutet ja 
DZ 4
	        
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