Full text: Theoretische Sozialökonomie

. Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
frage ab. Solange z. B. die Wasserfälle Skandinaviens nur zur Er- 
zeugung mechanischer Kraft, hauptsächlich für Holz- und Eisenindustrie, 
verwendet wurden, war die natürliche Wasserpferdekraft in manchen 
Gegenden sehr billig, ja sogar wertlos, und die Industrien, die diese 
Kraft benutzten, brauchten dieselbe in ihrem Naturzustand meistens 
kaum in die Produktionskosten einzuberechnen. Jetzt aber, wo eine 
Nachfrage nach Wasserkraft für Erzeugung von elektrischer Energie 
entstanden ist, hat diese Nachfrage in manchen Fällen den Preis der 
natürlichen Wasserkraft erhöht, was bei richtiger Berechnung der Pro- 
duktionskosten der Holz- und Eisenindustrie beachtet werden muß. 
Die so charakterisierte Abhängigkeit der Produktionskosten eines 
Gutes von der Nachfrage nach den übrigen Gütern ist das Gegenstück 
zu der früher betonten Abhängigkeit der Nachfrage nach einem Gute 
von den Preisen der übrigen Güter. Diese allgemeine gegenseitige Ab- 
hängigkeit der Unbekannten des Preisbildungsproblems ist es, wie schon 
oben für den einfacheren Fall, wo keine Produktion in Frage kommt, 
hervorgehoben wurde, was eine isolierte Behandlung der Preisbildung 
für ein einzelnes Gut unmöglich macht, das Preisbildungsproblem wesent- 
lich als ein einheitliches, die ganze Tauschwirtschaft umfassendes 
Problem kennzeichnet und der Preisbildung einen inneren‘ Zusammen- 
hang verleiht, welcher nur von einem System simultaner Gleichungen 
wiedergegeben werden kann. 
Wir haben bisher vorausgesetzt, daß die Geldsumme, die jeder Kon- 
sument in der Einheitsperiode für seine Bedürfnisbefriedigung aus- 
gibt, im voraus fixiert ist. Unter dieser Voraussetzung genügt offenbar 
die Kenntnis der Preise der fertigen Güter um die Nachfrage eines jeden 
Konsumenten nach diesen Gütern zu bestimmen. Die Gesamtnachfrage 
nach den verschiedenen Gütern kann dann mit Hilfe unseres Gleichungs- 
systems (4) berechnet werden. Wenn die Preise endlich durch das 
Gleichungssystem (7) berechnet werden, sind sie im Verhältnis zu den 
als gegeben angenommenen gesamten Geldausgaben der Konsumenten 
bestimmt. Man kann daraus schließen, daß. die Preise durch das Gilei- 
chungssystem (7) absolut und nicht nur im Verhältnis zueinander be- 
stimmt werden. 
Die Voraussetzung, daß die Geldausgaben der Konsumenten zum 
Kauf fertiger Güter für ihre Bedürfnisbefriedigung im voraus bestimmt 
sind, müssen wir aber jetzt fallen lassen. Die Geldausgaben eines Kon- 
sumenten sind wesentlich von seinem Einkommen bestimmt. Wenig- 
stens ist dies im großen der Fall, wenn wir Ausgaben und Einkommen 
auf etwas längere Perioden beziehen. Die Ausgaben brauchen des- 
wegen nicht in jeder Periode gleich dem Einkommen zu sein. Der Kon- 
sument kann bekanntlich einen Teil seines Einkommens sparen. In 
gewissen Fällen kann er auch mehr :als sein Einkommen verbrauchen, 
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