8 16. Prinzip der Knappheit. 127
nämlich wenn er Geld für Konsumzwecke leiht oder bis auf weiteres
seine Rechnungen unbezahlt läßt. Sowohl Sparsamkeit wie Konsumtion
über das Einkommen hinaus können von den augenblicklich geltenden
Preisen beeinflußt werden. Sind aber einmal alle Preise gegeben, so
dürfen wir voraussetzen, daß der Betrag der Gesamtausgaben jedes
einzelnen Konsumenten ebensowohl wie deren Verteilung auf die ver-
schiedenen Güterarten durch das Einkommen der Konsumenten be-
stimmt ist. Für die ganze stationäre Wirtschaft sind diese Ausgaben
konstant und, da in dieser Wirtschaft im ganzen kein Sparen vorkommt,
auch gleich dem Einkommen. Der Einfachheit halber können wir dann
dasselbe mit Bezug auf jede Einzelwirtschaft annehmen. Das Ein-
kommen des einzelnen ist aber von den Preisen der Produktionsmittel,
die er im Laufe des Produktionsprozesses verkauft, bestimmt. Die ver-
schiedenen Einkommen der Mitglieder der Tauschwirtschaft werden
also erst durch den Preisbildungsprozeß bestimmt, und weder diese
Einkommen noch die dadurch bedingten Ausgaben dürfen deshalb als
im Voraus gegebene Größen des Preisbildungsproblems betrachtet
werden. Erst, wenn wir auch das Einkommen als eine der Unbekannten
des Preisbildungsproblems auffassen, gelangen wir zu einer Behandlung
des Preisbildungsproblems, welche die Tauschwirtschaft genau wider-
spiegelt, die Konsumenten gleichzeitig als Produzenten erscheinen läßt
und zeigt, wieviel von den produzierten Gütern der einzelne Produzent
für seine produktiven Leistungen einzutauschen imstande ist. Das so
verallgemeinerte Preisbildungsproblem schließt in sich das Problem
der wirtschaftlichen Verteilung ein. Das Verteilungsproblem ist also
nicht etwa ein freistehendes Problem der ökonomischen Wissenschaft,
sondern ist wesentlich als eine besondere Seite des allgemeinen Preis-
bildungsproblems zu betrachten. Die Lösung des Verteilungsproblems
ist von diesem Gesichtspunkt ebenfalls in unserem System simultaner
Gleichungen mit einbegriffen, was natürlich nicht hindert, daß das
praktische Verteilungsproblem auch von anderen Gesichtspunkten be-
trachtet werden kann und muß (vgl. 8 20). Das Wesen der wirtschaft-
lichen Verteilung liegt immer in der durch unser Gleichungssystem be-
stimmten Preisbildung für die im gesellschaftlichen Produktionsprozeß
mitwirkenden Produktionsmittel, und die Anteile der verschiedenen
Wirtschaftssubjekte am gesellschaftlichen Produktionsergebnis sind
demgemäß wesentlich von der relativen Knappheit derjenigen Pro-
duktionsmittel, über welche sie verfügen, bestimmt. Erst die Unter-
suchung einer in dieser Allgemeinheit aufgefaßten Preisbildung kann
uns ein vollständiges und zusammenhängendes Bild der Vorgänge inner-
halb der Tauschwirtschaft geben.
Unsere neuen Voraussetzungen ändern nichts in der äußeren Form
der Gleichungssysteme, die zur Bestimmung der Preise dienen. Nur ist
der Inhalt der Gleichungen (4) nunmehr ein anderer. Diese Gleichungen