8 16. Prinzip der Knappheit. 129
Die fortdauernde Produktion solcher stetig wachsender Güter-
mengen stellt aber besondere Ansprüche auf die Produktionsmittel
Rı...Rı, die in einer gegebenen Einheitsperiode zur Verfügung
stehen. Zwar bleiben unsere Gleichungen (7) im äußeren unverändert;
die Koeffizienten a müssen aber durch andere ersetzt werden. Wie
schon oben bemerkt sind die a Summen von anderen Konstanten,
welche angeben, wieviel von ihnen auf jede Einheitsperiode kommt,
d. h. wieviel von jedem Produktionsmittel in jeder Einheitsperiode
für die Produktion einer bestimmten Einheitsmenge jedes unserer
fertigen Güter in Anspruch genommen wird. Da die Produktion jetzt
gleichmäßig wachsen soll, müssen diese Einheitsmengen durch stetig
mit dem Prozentsatz c wachsende Mengen ersetzt werden, also auch
die entsprechenden Konstanten in demselben Tempo wachsen, d. h.
sie müssen, wenn man eine Reihe nacheinander folgender Einheits-
perioden in Betracht zieht, mit steigenden Potenzen eines konstanten
Faktors, welcher offenbar von c bestimmt ist, multipliziert werden.
Die so bestimmten Konstanten müssen wieder zu Summen addiert
werden, welche unsere @ in den Gleichungen (7) zu ersetzen haben.
Das Wesentliche ist aber, daß diese neuen Koeffizienten, außer
den Elementen unserer alten „„‚technischen Koeffizienten‘ nur noch den
Fortschrittsprozentsatz c enthalten und also im vorliegenden Preis-
bildungsproblem, sobald die Preise der Produktionsmittel als bekannt
angenommen werden, als gegebene Größen zu betrachten sind. Das
Gleichungssystem (7) behält also im wesentlichen seinen Charakter
und genügt wie im vorigen Falle, um die Preise der Produktionsmittel
zu bestimmen, wonach das ganze Preisbildungsproblem gelöst ist.
Die Ansprüche, die eine stetig wachsende Produktion auf die Pro-
duktionsmittel einer gegenwärtigen Einheitsperiode stellt, sind natürlich
größer als die Ansprüche, die eine stationäre der gegenwärtigen Ver-
sorgung mit fertigen Gütern entsprechende Produktion stellen würde.
Das von den Preisen der Produktionsmittel bestimmte Einkommen
der gegenwärtigen Einheitsperiode übertrifft auch in demselben Ver-
hältnis den Gesamtwert der in dieser Periode zur Verfügung stehenden
fertigen Güter. Dieses Einkommen zerfällt demgemäß in zwei Teile,
von denen der eine zum Kauf der fertigen Güter, der andere zum Kauf
der Vermehrung des Realkapitals in der betrachteten Periode dient.
Der erste Teil dient zur Bezahlung derjenigen Produktionsmittel, welche
für die Produktion von fertigen Gütern einschließlich für die Erhaltung
des schon vorhandenen Realkapitals in Anspruch genommen werden,
der zweite Teil zur Bezahlung der übrigen Produktionsmittel, welche
der Vermehrung des Realkapitals gewidmet werden. Das Verhältnis
zwischen diesen Teilen bestimmt den Spargrad und den Fortschritts-
prozentsatz c. Auf die spezifische Bedeutung, die der Zinsfuß in diesem
Zusammenhang hat, können wir erst später ($ 26) Rücksicht nehmen.
Cassel, Theoret. Sozialökonomie 4. Aufl.
Q