Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
— Wir finden leicht, daß die Funktionen F,...F, von derjenigen 
Form sein müssen, daß sie bei einer Multiplikation sämtlicher in der 
Geldeinhe ausgedrückten q mit einem beliebigen Multiplikator un- 
erändert bleiben. Denn die Nachfrage kann doch in einer Tausch- 
wirtschaft, die sich in beständigem Gleichgewicht befindet, nur von 
den relativen Preisen bestimmt werden. Dasselbe Gleichgewicht könnte 
ebensogut, sagen wir bei doppelten Preisen, aufrechterhalten werden, 
da dann auch die Einkommen doppelt so hoch sein würden und die 
erteilung des Einkommens auf die verschiedenen Zweige der Bedürfnis- 
befriedigung bei stetigem Gleichgewicht nur vom Verhältnis zwischen 
Güterpreisen und Einkommen, nicht aber von den absoluten Größen 
derselben abhängen kann. Daß das Ergebnis bei Störung des Gleich- 
ewichts ein anderes wird, da Rücksicht auf eine andere _Preislage als 
diejenige des Augenblicks mit hineinspielt, werden wir in der Geld- 
heorie zu beachten haben (88 50—952). 
Auch auf anderen Wegen können wir sehen, daß die Funktionen 
1... F, die angegebene Eigenschaft haben müssen. In der modernen 
Physik spielt bekanntlich die Berechnung der Dimensionen der ver- 
schiedenen in der Wissenschaft auftretenden Größen eine wichtige Rolle. 
Die theoretische Ökonomie kann ebenfalls von dieser Methode Nutzen 
ziehen. Der in Geld berechnete Preis bildet eine der grundlegenden wirt- 
schaftlichen Dimensionen, wir können sie die Wertdimension nennen. 
Die Nachfrage nach einem bestimmten Gute wird nun durch die Zahl 
der begehrten Gütereinheiten ausgedrückt. Diese Nachfrage kann also 
eine Länge (z. B. so und so viele Meter Tuch), ein Gewicht (so und 
so viele Kilogramm Zucker) usw. sein. Sie enthält aber offenbar nicht 
die Wertdimension, ist mit Bezug auf Wert von der Dimension Null. 
Dies ist damit gleichbedeutend, daß eine Multiplikation sämtlicher 
in der Geldeinheit ausgedrückten Preise q, die nunmehr in den Nach- 
fragefunktionen F allein die Wertdimension vertreten, mit einem und 
demselben Faktor keinen Einfluß auf diese Funktionen hat. 
Eine Multiplikation sämtlicher Preise q mit einem beliebigen Faktor 
hat also auch keinen Einfluß auf die Gleichungen (5) und (7). Da das 
letzte System, das die Preise q bestimmt, diese Eigenschaft hat, muß 
es ebensowohl von einem System von Preisen q erfüllt sein, wo sämt- 
liche in der Geldeinheit ausgedrückten q mit einem beliebigen Faktor 
multipliziert sind. Unser Gleichungssystem ist folglich insofern un- 
bestimmt, als es die genannten Preise nur bis auf einen multiplikativen 
Faktor bestimmt oder, wie man es populär ausdrückt, uns nur die 
relativen Preise, nicht aber die absoluten kennen lehrt. Damit die 
absoluten Preise bestimmt werden, muß noch eine neue Bedingung 
inzukommen, z. B. der Preis einer Ware oder einer Gruppe von Waren 
gegeben sein. Eine solche Bedingung war vorhanden, solange wir die 
in Geld gerechneten Gesamtausgaben der Konsumenten als gegeben 
T3C
	        
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