Full text : Theoretische Sozialökonomie

8 17. Die supplementären Prinzipien. 51
voraussetzten. Im allgemeinen Problem der Preisbildung bleibt ein
multiplikativer Faktor aller Preise unbestimmt. Die Bestimmung
dieses Faktors und damit die endgültige Lösung des Preisbildungsproblems
 gehört der Geldtheorie an.
$ 17. Die Stellung der supplementären Prinzipien im Preisbildungsprozeß.

Im vorigen Paragraphen haben wir die allgemeine Theorie der
Preisbildung unter der Voraussetzung entwickelt, daß die Produktionskosten
 immer bestimmt sind, sobald die Preise der Produktionsmittel
gegeben sind. Unter dieser Voraussetzung genügt das Prinzip der
Knappheit, um das Preisbildungsproblem vollständig zu bestimmen.
In Wirklichkeit ist aber diese Voraussetzung nicht allgemein erfüllt,
und wir brauchen deshalb zur Bestimmung des Problems noch die vier
supplementären Prinzipien der Preisbildung, welche wir im 8 13 aufgestellt
 haben. Wir haben damals gezeigt, wie die Unbestimmtheit
des Preisbildungsproblems in jedem einzelnen Falle durch diese Prinzipien
 aufgehoben wird. Es bleibt jetzt übrig, diese supplementären
Prinzipien in unsere Lösung des allgemeinen Preisbildungsproblems einzuordnen.
 Erst wenn dies gelingt, gibt unsere Lösung ein vollständiges
und zusammenhängendes Bild des gesamten Preisbildungsprozesses,
Die hier berührte Unbestimmtheit des Preisbildungsproblems tritt
darin zutage, daß die technischen Koeffizienten, die wir vorhin als Konstanten
 unseres Problems auffassen konnten, jetzt selber als Unbekannte
auftreten, die durch gewisse Gleichungen mit den übrigen Unbekannten
verbunden sind. Die Formen dieser Gleichungen, die speziell die technischen
 Bedingungen der Produktion widerspiegeln, sind nunmehr als
gegebene Daten des Preisbildungsproblems zu betrachten. Wir finden
also, daß die Verbindung der Wirtschaftswissenschaft mit der Technik
ganz analoger Natur ist, wie ihre Verbindung mit den menschlichen
Bedürfnissen. Diese Beobachtung ist wichtig, weil sie die natürliche
Symmetrie des Preisbildungsproblems hervorhebt und damit die Unmöglichkeit
 einer einseitigen Preisbildungstheorie beleuchtet.
Unser erster Fall unbestimmter Produktionskosten besteht darin, daß ein und
dasselbe Produkt in verschiedenen Betrieben zu verschiedenen Produktionskosten
hergestellt wird. Wir können diese Betriebe in einer Reihe nach steigenden Produktionskosten
 ordnen. Es besteht dann ein bestimmter Zusammenhang zwischen
der Ausdehnung der Produktion und den Produktionskosten des letzten in Anspruch
genommenen Betriebs, Je höhere Ansprüche an die Produktmenge gestellt werden,
desto weiter muß die Produktion ausgedehnt werden und desto höher werden die
letzten Produktionskosten. Nehmen wir an, jeder neu in Anspruch genommene
Betrieb vermehrt die gesamte Produktmenge verhältnismäßig sehr wenig und hat
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