=. Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung.
Produktionskosten, die diejenigen des vorhergehenden sehr wenig übersteigen, so
können wir die Produktionskosten des zuletzt in Anspruch genommenen Betriebs
als eine stetige Funktion der Ausdehnung der Produktion, also der gesamten Pro-
duktmenge, und also auch umgekehrt die gesamte Produktmenge oder das gesamte
Angebot des betreffenden Produkts als eine stetige Funktion der letzten Produktions-
kosten darstellen. Bezeichnen wir das Angebot mit A, die Produktionskosten
des letzten in Anspruch genommenen Betriebs mit x, haben wir also die Gleichung
A = 146).
Die Unbestimmtheit der Produktionskosten wird für den hier betrachteten Fall
durch das Differentialprinzip, welches die Forderung enthält, daß die letzten Pro-
duktionskostendurch den Preis des Produktsgedeckt sein sollen, aufgehoben. Bei der
Aufstellung unseres Gleichungssystems tritt nun aber die Schwierigkeit auf, daß wir
die Ausdehnung der Produktion und folglich auch die t}etzten Produktionskosten nicht
im voraus kennen. Um diese Schwierigkeit zu überwinden, wollen wir den Preis des
Produkts als eine neue Unbekannte einführen. Diese Unbekannte ist also einer von
den Preisen p, . .. Pn, wir können ihn hier mit p bezeichnen. Sobald nun der Produkt-
preis p in der gewöhnlichen Weise als gegeben vorausgesetzt wird, ist die Nachfrage
nach dem Produkt, wir können sie N nennen, in Übereinstimmung mit den Glei-
chungen (4) bestimmt. Diese Nachfrage muß aber vom Angebot gedeckt sein und
das Angebot A ist somit durch die Gleichung N = A, die dem Gleichungssystem (5)
angehört, bestimmt. Anderseits muß nach dem Differentialprinzip der Preis des
Produkts die Produktionskosten des letzten Betriebes decken. Höher kann der
Produktpreis auch nicht sein, denn nach unserer Voraussetzung kann bei einem
auch wenig höheren Produktpreis noch ein Betrieb in Anspruch genommen werden.
Der Produktpreis ist also wenigstens sehr nahe gleich den letzten Produktionskosten.
Man hat also p = x und folglich A = 1f(p). Wenn die Zahl der Unbekannten,
wie es hier geschehen ist, mit eins vermehrt wird, muß auch eine neue Gleichung
hinzukommen, damit das Problem fortwährend bestimmt sein soll. Diese neue
Gleichung ist eben die Gleichung A = f(p), wo beide Seiten die Unbekannten
enthalten. Mit dieser Vervollständigung stellt also unser Gleichungssystem für den
hier betrachteten Fall die Lösung des allgemeinen Preisbildungssystems dar, )
Eine Ungleichheit der Produktionskosten in verschiedenen Betrieben kann
daraus entstehen, daß ein Produktionsmittel in verschiedenen Qualitäten vorhanden
ist, die besseren Qualitäten aber so knapp sind, daß auch weniger gute in Anspruch
genommen werden. Entsprechend unserer Voraussetzung, daß die letzten Pro-
duktionskosten mit der Ausdehnung der Produktion kontinuierlich wachsen, können
wir hier annehmen, daß die nacheinanderfolgenden. Qualitäten des Produktions-
mittels sehr wenig voneinander abweichen, so daß die Qualität des Produktionsmittels
mit der Ausdehnung der Produktion kontinuierlich abnimmt. Bei der Berechnung
der Produktionskosten eines Gutes ist dieses Produktionsmittel zunächst außer
acht zu lassen. Das Differentialprinzip führt dann, wie eben gezeigt worden ist, zu
dem Ergebnis, daß der Preis des Produkts gleich den Produktionskosten des zuletzt
in Anspruch genommenen Betriebs sein muß. Dies zeigt, daß diejenige Qualität
des betrachteten Produktionsmittels, die im letzten Betrieb benutzt wird, den Preis
Null hat. Die höheren Qualitäten haben dabei einen dem Differentialgewinn, der
bei ihrer Anwendung erzielt wird, entsprechenden Preis,
Für das Studium des wirklichen Wirtschaftslebens ist es notwendig, auch den
Fall in Betracht zu ziehen, daß die letzten Produktionskosten sich bei Ausdehnung
der Produktion sprungweise ändern. Dies geschieht immer, wenn nur eine geringere
Zahl von Betrieben oder Gruppen von Betrieben mit verschiedenen Produktions-
kosten vorhanden sind. Muß man dann, um die Nachfrage zu befriedigen, einen neuen
Betrieb in Anspruch nehmen, so kann es leicht vorkommen, daß die letzten Pro-
duktionskosten dadurch beträchtlich vermehrt werden. Die Lösung des Preis-
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